Vierte Säule: Wie Fluggesellschaften die Versicherer prellen

Insbesondere US-Carriers  bereichern sich auf Kosten der Reiseversicherungen.
Insbesondere US-Carriers bereichern sich auf Kosten der Reiseversicherungen.

Sollten die Prämien für Reiseversicherungen dereinst ansteigen, könnten wir das den Fluggesellschaften verdanken. Sie schaffen es nämlich, indirekt Versicherungsleistungen zu kassieren, auch wenn sie gar keinen finanziellen Schaden erlitten.

Das geht so: Kann ein Flugpassagier seine Reise nicht antreten, wird bei einem normalen Linienflug das Flugticket zurückerstattet. Wegen der massiven Überkapazitäten in der Luft sind jedoch die Airlines gezwungen, mit saftigen Preisabschlägen Kunden zu ködern. Das machen sie nicht nur in der Holzklasse; sie machen es zunehmend auch in der Businessclass. Das Perfide an diesem Deal: Solche Tickets sind häufig «non refundable».

 

Wenn nun der Passagier aus gesundheitlichen oder anderen wichtigen Gründen nicht reisen kann, wird ihm der vergünstigte Ticketpreis nicht zurückerstattet. Also muss die Reiseversicherung dem verhinderten Passagier das bezahlte Ticket zurückerstatten, sofern er eine Reiseversicherung abgeschlossen hat. Das ist in den meisten Fällen der Fall. Immer mehr Leute schliessen Jahres-Reiseversicherungen ab. Das lohnt sich, vor allem wenn man mehr als einmal pro Jahr über die Grenze huscht.

Thomas Tanner, Europäische.
Thomas Tanner, Europäische.

Also wird die Fluggesellschaft das Geld behalten, ohne für diesen Passagier auch nur ein Cüpli serviert zu haben. Wäre das Flugzeug ausgebucht und hätte die Fluggesellschaft für diesen Passagier den Sitz reservieren und andere Kunden abweisen müssen, wäre die Entschädigung durch die Versicherung in Ordnung. Wie man aber weiss, fliegen die Airlines mit halb leeren Jets über den Teich. Die Reiseversicherer zahlen das Ticket, auch wenn die Fluggesellschaft den Sitz anderweitig gar nicht hätte verkaufen können. Sie kassieren indirekt eine Versicherungsleistung, ohne einen Schaden erlitten zu haben. Die Zeche für dieses dreiste Vorgehen zahlen wir Prämienzahler.

 

Es sind übrigens vor allem amerikanische und asiatische Carrier, die sich so bereichern. «Die Swiss macht nicht solch krummes Zeug», bestätigt mir Thomas Tanner, Chef der Europäischen Reiseversicherung in Basel.

 

Erschienen in der BZ am 9. März 2010

Claude Chatelain