Vierte Säule: Über die Verwaltungskosten der Pensionskassen

Bei der Debatte über den Umwandlungssatz in der beruflichen Vorsorge sind auch die Verwaltungs- und Beratungskosten der Pensionskassen zu einem Thema gemacht worden. Der ehemalige Preisüberwacher Rudolf Strahm hat im «Tages-Anzeiger» vorgerechnet, dass die Pensionskassen im Schnitt pro Person 770 Franken Verwaltungskosten verrechnen.

"Rund um die Pensionskassen (…) hat sich ein profitorientiertes Beratungs- und Vermögensverwaltungsbusiness eingenistet, das sich mit Beratung und Vermögensverwaltung am Ertrag beteiligt», kritisiert der frühere SP-Nationalrat Strahm. «Mit Investment Consulting, Investment Advisory, Asset Manager Selection, Investment Controlling, Performance Reporting werden die in Finanzfragen meist unprofessionellen (...) Stiftungsräte gemanagt.»

 

Rudolf Strahm hat nicht Unrecht, auch wenn die angeprangerten Verwaltungskosten nur ein halbes Prozent des Pensionskassenvermögens ausmachen. Doch nicht die autonomen Pensionskassen tragen die Schuld an dieser Malaise, sondern die Politiker – auch die ehemaligen.

 

Kontrollen sind nötig, aber man kann auch über das Ziel hinausschiessen. Das Pensionskassenwesen ist hochkomplex und überreguliert. Die Jahresrechnung muss von der Stiftungsaufsicht, von der Kontrollstelle und von einem unabhängigen Experten begutachtet werden. Das zuständige Amt muss jede kleinste Änderung im Reglement absegnen, was es logischerweise nicht gratis macht. Um all die technischen Grundlagen berechnen zu können, ist ein diplomierter Pensionskassenexperte beizuziehen. Mit der so genanten Strukturreform, die bald die politischen Mühlen passiert haben dürfte, wird die Reglementierung und die Aufsicht noch zusätzlich verstärkt.

 

Bei Vorsorgeeinrichtungen haben Laien das Sagen. Ein Stiftungsrat setzt sich paritätisch mit Arbeitnehmern und Arbeitgebern zusammen. Diese Laien müssen sich auf Expertenberichte stützen können. Es sind vor allem linke Kreise, die dieses Milizsystem hochjubeln. Die gleichen, die die überrissenen Verwaltungskosten anprangern.

 

Erschienen in der BZ am 23. Februar 2010

Claude Chatelain