Der technische Zins sinkt auf rekordtiefe 1,75 Prozent

Der technische Zins bei Lebensversicherungen beträgt mittlerweile rekordtiefe 1,75 Prozent. Damit sind auch die garantierten Leistungen auf ein rekordtiefes Niveau gefallen.

Versicherungen mit schlechten Garantien sind wie ein Hochseil ohne Fangnetz. Und die Garantien werden immer schlechter. Die Lebensversicherer erhalten von der Finanzmarktaufsicht strenge Auflagen. So schreibt die Finma unter anderem auch die Höhe des technischen Zinses vor. Auf Anfang 2010 wurde dieser Satz von 2 auf 1,75 Prozent gesenkt. Mit dem technischen Zins werden bei Spar- und Rentenversicherungen die garantierten Leistungen berechnet. Wenn also bei einer Sparversicherung ein Erlebensfallkapital garantiert wird, so hängt die Höhe des Erlebensfallkapitals vom technischen Zins ab.

 

Sparversicherungen

 

Das geht so: Man nehme die Sparprämie, also jenen Teil der Prämie, der nach Abzug der Risiko- und Abschlusskosten angespart wird (Kasten). Dann verzinst man diese Sparprämie bis zum Ende der Laufzeit mit dem technischen Zins. Das Resultat ist das garantierte Erlebensfallkapital (Kasten), welches bei Vertragsende – häufig mit Alter 60 – ausbezahlt wird. Dieser technische Zins bleibt über die gesamte Laufzeit unverändert.

 

Wer noch im Dezember eine solche Sparversicherung abgeschlossen hat, kommt auf ein deutlich höheres garantiertes Erlebensfallkapital als jener, der sich erst heute für den Abschluss der Versicherung entschliesst. Das heute vereinbarte garantierte Kapital liegt zwischen 2,8 und 4,6 Prozent tiefer als bei Versicherungsabschlüssen vor Ende 2009.

 

Rentenversicherungen

 

Das Gleiche gilt für Leibrenten, welche bis ans Lebensende ausbezahlt werden. Auf solchen Renten zahlen die Versicherer zusätzlich noch Überschüsse aus, sofern auf den Finanzmärkten Renditen erwirtschaftet werden, die über dem technischen Zins zu liegen kommen. Diese Überschüsse werden schon bei Versicherungsabschluss in Aussicht gestellt, sind aber nicht garantiert. Es ist deshalb nicht ratsam, auf solche Überschüsse zu bauen. Umso wichtiger ist daher die garantierte Leistung. Die Erfahrung zeigt nämlich, dass die Versicherer solche Überschussversprechen häufig nicht einhalten. Überschussversprechen machen das Produkt interessanter, als es ist. Auch bei den Sparversicherungen werden übrigens Überschüsse ausbezahlt.

 

Rendite von 1,37 Prozent

 

Fazit: Sparversicherungen und Leibrenten sind wegen der erneuten Senkung des technischen Zinses noch weniger attraktiv als vorher. «Es ist heute noch schwieriger geworden, dem Kunden ein sicheres Produkt zu offerieren, das auch noch über ein gewisses Renditepotenzial verfügt», seufzt Markus Glauser von Glauser+Partner in Bern. Beispiel Einmalprämienversicherung auf zwanzig Jahre: Bei der National, die die höchste Garantie leistet, beträgt die Jahresrendite gerade mal 1,37 Prozent. Mit einem Sparkonto ist man besser bedient.

 

Was ist die Antwort der Versicherer auf diese Situation? «Sie werden wohl mehr auf Produkte mit garantierten Leistungen setzen, bei welchen sie den technischen Zins umgehen können», meint Stefan Walther vom Vergleichsdienst Info4insider in Gümligen. Walther denkt etwa an fondsgebundene Lebensversicherungen, bei welchen die Garantie nicht von der Versicherungsgesellschaft geleistet wird, stattdessen im Fonds selber verpackt ist.

 

Axa Twin Star – ein Renner?

 

Auch bei den Leibrenten suchen die Versicherer neue Wege. Zu reden gibt in der Branche etwa die im März vergangenen Jahres lancierte «Twin Star» von Axa Winterthur, eine Art Fondsentnahmeplan mit garantierter Rente. Wobei Twin Star im Unterschied zu herkömmlichen Leibrenten eine fixe Laufzeit zwischen 15 und 25 Jahren aufweist. Es soll sich dabei um einen absoluten Renner handeln.

 

Noch ein Wort zu National: Trotz tieferem technischem Zins steigt die Garantie (Tabelle). «Wir haben nicht nur den technischen Zinssatz gesenkt, sondern eine komplette Tarifrevision durchgeführt», meint Anton Peter, Leiter Leben. Man habe festgestellt, dass die Lebenserwartung zwar weiter steige, jedoch nicht so stark wie ursprünglich angenommen. Anton Peter: «Dies haben wir nun korrigiert und deshalb führt der neue Tarif zu höheren garantierten Leistungen». 

 

INFOTHEK: Fachbegriffe von A bis Ü

Abschlusskosten: Jener Teil der Bruttoprämie, der für Administration und Verkaufsprovision verwendet wird.

 

Einmalprämie: Die gesamte Prämie wird nicht jährlich, sondern auf einen Schlag bezahlt.

 

Erlebensfallkapital: Sparversicherungen setzen sich aus einem Todesfallschutz und einem Sparprozess zusammen. Beim Tod wird die Todesfallsumme ausbezahlt. Wenn der Versicherungsnehmer die Vertragsdauer überlebt, erhält er bei Vertragsende das Erlebensfallkapital ausbezahlt.

 

Fondsgebunden: Der Sparteil einer Prämie fliesst nicht ins Wertschriftenportefeuille des Versicherers, sondern in Anlagefonds.

 

Sparprämie: Jener Teil der Prämie, der effektiv angelegt wird.

 

Technischer Zins: Garantierter Mindestzinssatz für die gesamte Laufzeit, mit dem der Sparteil der Prämie aufgezinst wird.

 

Überschüsse: Entstehen, wenn die tatsächliche Entwicklung des Risikos und des Zinsertrages besser ausfallen als angenommen.

 

Erschienen in der BZ am 23. Februar 2010


Claude Chatelain