Vierte Säule: Endlich gibt Vasella einen Teil seiner Macht ab

Daniel Vasella.
Daniel Vasella.

Seit Jahren spekuliert die Anlegergemeinde auf einen Rückzug oder zumindest auf einen Teilrückzug von Daniel Vasella. Sie hoffte, der Machthaber von Novartis möge entweder als Konzernchef oder als Verwaltungsratspräsident zurücktreten. Sobald er dies tun würde, gäbe das dem Aktienkurs von Novartis Auftrieb.

 

Nun, vergangene Woche hat der machthungrige Vasella den Teilrückzug kommuniziert. Wie vorausgesagt, haben die Anleger diesen Schritt mit Aktienkäufen gutgeheissen. Obschon Joe Jimenez, der neue Konzernchef, aufgrund seines Parlmarès kaum als Hoffnungträger bezeichnet werden kann.

 

Dabei darf man füglich behaupten, dass Vasella einen stolzen Leistungsausweis präsentieren kann. Gewinn und Umsatz stiegen von Jahr zu Jahr. Die Dividenden waren beachtlich. Vasella hat sich keine gröberen Fehler geleistet. Er hat keine überteuerte Akquisition getätigt, die sich später als Klumpfuss entpuppte – dies ganz im Gegensatz zu anderen ehedem so stolze Schweizer Firmen wie Ciba, Clariant, Zürich, Credit Suisse oder UBS. Nur der Aktienkurs entwickelte sich bei Novartis nicht entsprechend.

 

Warum wohl? Ganz offensichtlich trauten die Anleger dem geldgierigen Arzt nicht. Sie fürchteten, Vasella lasse sich zu einer verhängnisvollen Akquisition hinreissen, wie das andere Manager dieses Genres im Dutzend vormachten. Und Doppelmandate werden eben nicht nur von Gewerkschaften oder von der Ethos Anlagestiftung bekämpft. Auch professionelle Anleger wollen ein System des «Checks and Balances», wo die strategische und operative Leitung klar getrennt ist. Ein Top-Manager, der in der Abzockerrangliste zuobert steht, macht womölich auch Gross-Investoren misstrauisch.

 

Peter Lynch, der legendäre Fondsmanager des ebenfalls legendären Magellan-Anlagefonds schrieb in seinem Buch: «One up on Wall Street»: Kaufe nie eine Aktie, wenn Du dem Management nicht traust». Dies scheint sich mancher Anleger im Fall von Novartis auch gesagt zu haben.

 

Erschienen in der BZ am 2. Februar 2010

Claude Chatelain