(Kreditkarten-)Shopping im Ausland ist teuer

Die Gratis-Kreditkarten sind nur auf den ersten Blick gratis. Unter Umständen kommen sie teurer zu stehen als Karten mit einer Jahresgebühr von 50 oder 100 Franken.

Bei Migros, Coop und der SBB sind seit über einem Jahr Kreditkarten gratis zu haben. Gratis heisst, man zahlt keine Jahresgebühr. Doch viele Schweizerinnen und Schweizer benutzen ihre Kreditkarte hauptsächlich für Einkäufe im Ausland. Und dort sind die Gratis-Kreditkarten alles andere als gratis. Manche Kreditkartennutzer gehen davon aus, dass bei Zahlungen im Ausland gleich abgerechnet wird wie im Inland − lediglich mit dem Unterschied, dass die fremde Währung zu einem offiziellen Kurs in Schweizer Franken umgerechnet wird. Schön wäre es, denn für Einkäufe in fremder Währung wird immer auch eine nicht ganz bescheidene Umrechnungsgebühr von bis zu 2 Prozent auf dem Kaufpreis verrechnet.

 

Postfinance ab Fr. 4500.–

 

Ob die Umrechnungsgebühr 1 oder 2 Prozent beträgt, fällt ins Gewicht. Zahlt man die Hotelrechnung von 3000 Franken mit der Karte der Migros, kommt die Schlussabrechnung auf 3060 Franken zu stehen. 60 Franken mehr als bei Barzahlung. Bei Postfinance beträgt der Umrechnungszuschlag verhältnismässig bescheidene 0,9 Prozent. Dafür verlangt Postfinance eine Jahresgebühr von 50 Franken. So kommt die Visa Classic von Postfinance bei Auslandseinkäufen ab 4500 Franken günstiger zu stehen als zum Beispiel die Mastercard von der Migros, obschon die Jahresgebühr bei Postfinance 50 Franken beträgt und die «M… Mastercard» gratis ist.

 

Umrechnungszuschlag

 

Fazit: Wer die Kreditkarte vor allem im Ausland benötigt, sollte nicht nur auf die Jahresgebühr, sondern auch auf die Höhe des Umrechnungszuschlags achten, der bei Postfinance am tiefsten ist. Kommt hinzu, dass Postfinance erst noch 0,5 Prozent des Umsatzes rückvergütet. Unter www.bonus.ch kann man online berechnen, bei welchen Ausgaben im In- und Ausland welche Karte am günstigsten zu stehen kommt. Teuer sind wie immer Barbezüge mit der Kreditkarte. Davor ist grundsätzlich abzuraten. Beispiel: Ist man im Ausland am letzten Ferientag knapp bei Kasse und holt umgerechnet 100 Franken aus dem Automat, kostet das mit den meisten Karten 10 Franken. Das sind 10 Prozent.

 

Und der Wechselkurs?

 

Ins Gewicht fällt natürlich auch der Wechselkurs. Doch zu welchem Kurs jeweils umgerechnet wird, weiss man erst, wenn die Abrechnung ins Haus flattert. Gewisse Kartenherausgeber nehmen den Devisenverkaufskurs einer bestimmten Bank, andere, wie etwa sie SBB, den günstigeren Interbankenkurs. Das Valuta-Datum ist aber meistens nicht der Tag des Einkaufs, sondern der Zeitpunkt, an dem die Transaktion beim Kreditkartenherausgeber elektronisch verarbeitet wird. «Zwischen der Bezahlung mit der Kreditkarte bis zum Eingang der Transaktion beim Kreditkartenherausgeber können mehrere Wochen verstreichen», erklärt Urs Knapp von Swisscard, dem Gemeinschaftsunternehmen von Credit Suisse und American Express.

Wie gesagt: Mit der Visa Classic von Postfinance wird ein Teil des Umsatzes zurückerstattet. Andere Karten offerieren ähnliche «Zückerchen». Mit der Kreditkarte der Migros kann man Cumulus-Punkte und mit der Karte von Coop Superpunkte sammeln. Wiederum andere Karten verlangen Bedingungen: Bei der SBB entfällt die Jahresgebühr nur bei Inhabern eines General- oder Halbtax-Abos. Wobei das Halbtax mit integrierter Visa-Kreditkarte sogar günstiger ist als das gewöhnliche Halbtax – nämlich 125 statt 150 Franken. Diesen Rabatt von 16 Prozent gibt es jedoch nur für das Jahresabonnement. Das Zweijahres-Halbtax kostet schon heute 250 Franken, also 125 Franken pro Jahr.

 

TCS fördert BP und Tamoil

 

Auch die «TCS Mastercard Drive» lockt mit Vergünstigungen: Wer den Most mit dieser Karte bezahlt, bekommt ihn bei BP oder Tamoil günstiger – ausgerechnet bei Tamoil, dem Tankstellennetz von Ghadhafi. Die teureren Karten bieten zudem noch einen kostenlosen Versicherungsschutz an. Wobei es fahrlässig wäre, auf diesen Schutz zu bauen und deshalb auf herkömmliche Reiseversicherungen zu verzichten. Der Versicherungsschutz der Kreditkarten ist lückenhaft – mehr Marketing denn echte Dienstleistung.

 

Erschienen in der BZ am 2. Februar 2010

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Kommentare: 1
  • #1

    Katja (Donnerstag, 12 Februar 2015 12:00)

    Da gibt es doch tatsächlich einiges, auf das man achten muss und wenn man sich das dann durchrechnet, dann spart man bei einer solchen Bestellung wohl doch eher nicht.

Claude Chatelain