Zahlen am Schalter ist teuer

TaxMe-Online ist schon gut verankert, das TaxMe-Portal noch nicht. Dies soll sich nun dank einem neuen Auftritt ändern. Auch gut wäre, wenn die Steuerraten nicht am Schalter beglichen würden.

Immer mehr Bernerinnen und Berner verschicken die Steuererklärung elektronisch: Nur noch 32 Prozent der Steuerzahler füllten im zurückliegenden Jahr die Erklärung von Hand auf Papier aus. Das sind 6,7 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

 

Der Trend zu weniger Papier dürfte anhalten. Dass dadurch die Arbeit der Steuerverwaltung beschleunigt und massiv vereinfacht wird, liegt auf der Hand. Müsste man demnach nicht Bürgerinnen und Bürger auf irgendeine Art belohnen, wenn sie die Steuererklärung online ausfüllen? «Nein», sagt Bruno Knüsel, Steuerverwalter des Kantons Bern. Diese Frage habe sich intern auch schon gestellt. Man sei aber zum Schluss gekommen, man dürfe Kundinnen und Kunden nicht bestrafen, die die Steuererklärung auf Papier ausfüllten. Bei einfachen Steuererklärungen, wo zum Beispiel bloss das Renteneinkommen und das Vermögen auf dem Sparheft zu versteuern seien, sei die Steuererklärung auf dem Papier schneller ausgefüllt als mit dem Computer.

 

TaxMe-Portal erneuert

 

In Zukunft dürften mehr und mehr Steuerzahler neben TaxMe-Online zusätzlich auch das TaxMe-Portal nutzen. Hier sind Steuerdaten, Rechnungen und Kontoauszüge laufend einsehbar. Einsprachen und Belege können elektronisch eingereicht werden. Im Unterschied zu TaxMe-Online ist das Steuerportal nicht eine Einwegkommunikation, sondern eine interaktive Plattform.

 

Das Portal besteht schon seit mehreren Jahren, freilich nicht zur vollen Befriedigung der Verantwortlichen, weshalb man das Angebot kaum aktiv bewarb. «Die Navigation war nicht gerade kundenfreundlich», gesteht Yvonne von Kauffungen, die Kommunikationsverantwortliche der Steuerverwaltung, Das hat sich nun aufs neue Steuerjahr verändert. «Jetzt wollen wir die Vorteile dieses Angebots aktiv bekannt machen.»

 

Nach alter Väter Sitte

 

Das Ausfüllen und Einschicken der Steuererklärung ist das eine; das Zahlen der Steuerrechnung etwas anderes. Hier müsste sich wohl die Steuerbehörde überlegen, ob nicht jene Steuerzahler einen Aufschlag zu entrichten hätten, welche die Steuerrate am Bank- oder Postschalter bezahlen. Zwischen August 2008 und Juli 2009 haben Bernerinnen und Berner Steuerraten im Gesamtbetrag von 1,464 Milliarden Franken am Bank- und vor allem am Postschalter beglichen. Fast 1,5 Millionen Einzahlungen wurden am Schalter getätigt, monatlich 95450. Das Problem: Dem Kanton Bern entgehen dadurch 2,4 Millionen Franken an Gebühren, die ihrerseits Post und Banken kassieren. Schön für die Geldhäuser, schlecht für die Staatskasse des Kantons Bern. «Es sind nicht nur ältere Leute, die ihre Rechnung am Postschalter begleichen», sagte gestern Yvonne von Kauffungen an einem Medienfrühstück in Bern. Auch junge Leute und Vertreter juristischer Personen begleichen ihre Steuerschuld mitunter am Schalter.

 

Mit 144000 Franken am Schalter

Den letztjährigen Rekord hält eine juristische Person: 144000 Franken wurden von einem Firmenvertreter am Schalter einbezahlt. Nicht bekannt ist, ob in jenem Fall die Post die Herkunft des Geldes überprüft hat, wie dies bei derart hohen Beträgen gemäss dem Geldwäschereigesetz verlangt wird. 

 

 

Steuerjahr 2009: Was ändert sich?

Im Kanton Bern haben zwar etliche Gemeinden die Steuersätze gesenkt, und teilweise können höhere Abzüge vorgenommen werden – dennoch dürfte dies auf die Steuerrechnung kaum Einfluss haben. Dies, weil im Steuerjahr 2008 ein ausserordentlicher Rabatt gewährt wurde.

 

Die wichtigste Neuerung ist der endgültige Wegfall der Dumont-Praxis (Ausgabe vom

1.Dezember 2009). Somit können Investitionen in Liegenschaften, die im zurückliegenden Jahr getätigt wurden, vollumfänglich vom steuerbaren Einkommen in Abzug gebracht werden, sofern sie werterhaltend und nicht wertvermehrend sind. Eine Reduktion des Abzugs droht noch bei der direkten Bundessteuer. Dort fällt die Dumont-Praxis erst im Steuerjahr 2010 weg.

 

Erschienen in der BZ am 12. Januar 2010


Claude Chatelain