Vierte Säule: Die acht Gebote der Geldanlage

Erwin Heri, "Erfinder" der acht Gebote.
Erwin Heri, "Erfinder" der acht Gebote.

Sie kennen die biblischen Zehn Gebote. Ich beschränke mich hier auf acht Gebote. Allerdings nicht auf jene aus dem Alten Testament, sondern auf die acht Gebote der Geldanlage.

1. Investieren Sie: Aktienabstinenzler müssen sich mit mageren Renditen begnügen. Das Sparbuch bringts nicht.

 

2.Trachten Sie nicht nach kurzfristigem Gewinn: Hohe Renditen auf die Schnelle sind mit hohen Risiken behaftet. Auch Früchte reifen nur langsam.

 

3.Versuchen Sie nicht, den richtigen Moment zu erwischen – es gibt ihn nicht. Auch Profis versagen beim Versuch, beim tiefsten Punkt zu kaufen und beim höchsten zu verkaufen. Die Losung heisst: gestaffelt investieren.

 

4.Versuchen Sie nicht, den «richtigen Titel» zu finden – es gibt ihn nicht. Es gibt viele Beispiele, wo ein Aktienkurs in die andere Richtung verlief als prognostiziert. Das Zauberwort: Diversifikation.

 

5.Versuchen Sie nicht, klüger zu sein als der «Markt», denn der «Markt» weiss viel. Was Sie zu wissen glauben, wissen andere auch. Geheimtipps sind selten geheim.

 

6.Seien Sie diszipliniert. Definieren Sie eine Anlagestrategie. Lassen Sie sich von kurzfristigen Ausschlägen nicht beirren. Hin und her macht Taschen leer.

 

7.Haben Sie Spass, aber «Strategy first». Es spricht nichts dagegen, mit einem Teil des Vermögens zu «börselen». Auch die Spiellust soll befriedigt werden.

 

8.Trauen Sie keinem. In der Finanzbranche tummeln sich zahlreiche Scharlatane. Und auch die seriösen Finanzberater sind keine Hellseher.

 

Wie die biblischen Gebote sind auch die Gebote der Geldanlage nicht von mir. Sie stammen von Professor Erwin Heri, bekannt durch Vorträge, Bücher und wissenschaftliche Publikationen.

 

Die acht Gebote passen zu dieser Jahreszeit. Wenn die Depotauszüge der Banken ins Haus flattern, ist mancher bestrebt, die Geldanlagen zu überdenken. Wer die acht Gebote befolgt, wird nicht über Nacht reich, wird aber auch keine schlaflosen Nächte haben.

 

Erschienen in der BZ am 5. Januar 2010

Claude Chatelain