In zehn Jahren minus 13 Prozent

Swiss Life liegt Im Jahresvergleich an der Spitze; im Zehnjahresvergleich am Schluss der Rangliste .
Swiss Life liegt Im Jahresvergleich an der Spitze; im Zehnjahresvergleich am Schluss der Rangliste .

Aktionäre können auf ein erfolgreiches Aktienjahr zurückblicken: Der Swiss Market Index (SMI) legte um über 18 Prozent zu. Doch im Zehnjahresvergleich sieht die Performance miserabel aus: minus 13 Prozent.

«Aktien sollte man zehn Jahre halten können.» Dieser Standardsatz aus den Mündern von Anlageberatern verleitet zur Annahme, über eine Periode von zehn Jahren würde ein breit gestreutes Aktienportefeuille eine positive Rendite erzielen. Zumindest im zurückliegenden Jahrzehnt war diese Schlussfolgerung falsch: Gemessen am Swiss Market Index (SMI), erzielten die Schweizer Aktien in den zurückliegenden zehn Jahren eine Minusperformance von 13 Prozent. In den USA beträgt das Minus gar 24 Prozent. Laut Cash online – in gedruckter Form gibts die Wochenzeitung leider nicht mehr - wurde in den Nuller-Jahren die schlechteste Dekaden-Performance seit 200 Jahren erzielt.

 

Techno und Immo

 

Für dieses aussergewöhnlich schlechte Resultat sorgten zwei einschneidende Ereignisse: 2000/2001 platzte die Technologieblase; 2007 ging der Immobilienblase die Luft aus. Die «Financial Times» sprach von einem «zerrütteten Jahrzehnt». Und Cash online bezeichnet die Nuller-Jahre leicht übertrieben als «Horrorjahrzehnt». Bei solcher Wortwahl könnte vergessen werden, dass im Jahr 2007 die Kurse der wichtigsten Aktienbörsen der Welt von einem Rekord zum andern kletterten. Und dies zu einer Zeit, als nicht nur Rufer in der Wüste auf die Furcht erregende Immobilienblase der USA hinwiesen. Wer also in dieser Zeit von Gier getrieben auf weitere Höchstnotierungen hoffte, ist bewusst ein hohes Risiko eingegangen. Und wer damals die Gewinne ins Trockene legte, vermochte eine schöne Rendite zu erzielen.

 

Swiss Life: Erste und Letzte

 

Unter den 20 grössten Aktiengesellschaften, deren Kursentwicklung sich im SMI spiegelt, lag Swiss Life im zurückliegenden Jahr mit plus 82 Prozent an der Spitze. Hingegen im Zehnjahresvergleich liegt der Lebensversicherer mit minus 74 Prozent am Schluss der Rangliste. 2002 befand sich Swiss Life am Rande des Abgrunds. Die Aktien von Swiss Life kamen erst 1997 an die Börse. Vorher hiess das stolze Unternehmen noch Rentenanstalt – etwas altbacken zwar, dafür solide.

 

Auf Rang zwei und drei unter den Flops figurieren zwei weitere Versicherungsgesellschaften: Swiss Re und Zürich. Der Aktienkurs der Zürich konnte nicht annähernd in jene Sphären von Ende der Neunzigerjahre vorstossen, als Rolf Hüppi, VR-Präsident und Konzernchef in Personalunion, den Versicherungskonzern mit hochriskanten und überteuerten Akquisitionen aufblähte.

 

Das gleiche Schicksal wie den Inhabern von «Zürich»-Aktien dürfte nun UBS-Aktionären widerfahren: Die UBS-Aktie dürfte auch in zehn Jahren den vor zweieinhalb Jahren erzielten Höchstkurs von 75 Franken kaum erreichen. Es sei denn, die Verantwortlichen aus Wirtschaft und Politik werden aus der Krise keine Lehren ziehen und den Bankriesen erneut zu einem gefährlichen Monster heranwachsen lassen, das bei einem Kollaps das Wirtschaftssystem gefährden würde.

 

Die Gewinner unter den SMI-Titeln im Zehnjahresvergleich sind Unternehmen aus den Bereichen Biotech, Pharma und Medtech, wie Actelion, Syngenta und Synthes. Sie haben mit ihren Produkten auf den Weltmärkten eine führende Stellung. Gut abgeschnitten haben zudem jene Firmen, welche von der Globalisierung profitieren konnten, wie SGS, Richemont, Swatch oder Nestlé.

 

Erschienen in der BZ am 4. Januar 2010

Claude Chatelain