Börsenjahr 2009: Meyer Burger wieder an der Spitze

Meyer Burger, Thun.
Meyer Burger, Thun.

Das Thuner Solarunternehmen Meyer Burger ist unter den Berner Firmen der Börsenstar des abgelaufenen Jahres. Schweizweit machte heuer die Softwarefirma Day das Rennen, deren Aktienkurs aber auch schon höher war.

Meyer Burger auf Platz eins. Einmal mehr, ist man geneigt zu sagen. Schon 2007 schwang der Hersteller von Spezialsägen für die Solarindustrie obenaus. Damals nicht nur im Vergleich mit den anderen Werten im Kanton Bern, sondern gar schweizweit. Im Krisenjahr 2008 hat es die Thuner allerdings mit minus 71 Prozent überdurchschnittlich erwischt. So gesehen ist der zurückliegende Kursanstieg auch als Korrektur vorhergehender Kursverluste zu sehen.

 

Fusion mit 3S


Einen zusätzlichen Schub erhielt Meyer Burger durch die angekündigte Fusion mit der Solarpanelproduzentin 3S – womit wir beim zweitplatzierten angelangt wären. 3S Industries aus Lyss hat sich ebenfalls fast verdoppelt. Dabei schrieb die «Finanz und Wirtschaft» im September: «3S sind nicht attraktiv.» Eine krasse Fehleinschätzung, wie man heute weiss. Keine drei Monate später legte 3S um weitere 20 Prozent zu.

 

Bei jenen Aktiengesellschaften, deren Titel ausserbörslich gehandelt werden, fallen vor allem die Bergbahnen mit stolzen Kursgewinnen auf. Die Berner Kantonalbank BEKB betreibt für solche nichtkotierte Aktien eine Handelsplattform, die OTC-X. Für Andreas Langenegger von der BEKB ist die überdurchschnittliche Performance der Wintersportbahnen zwischen dem Saanenland und dem Hasliberg keine Überraschung. «Die Bahnen blicken auf einen hervorragenden Winter zurück. Einige von ihnen erzielten Rekordergebnisse», bemerkt Langenegger. Ferner ist festzustellen, dass ab Herbst die Umsätze in Bahnaktien steigen. Langenegger erklärt dies unter anderem mit den zum Teil viel versprechenden Naturaldividenden. Inhaber von Bergbahnaktien kommen nicht selten in den Genuss von Vergünstigungen fürs Abo.

 

Schilthorn mit mehr Kapital


Auch die Schilthornbahn blickt auf ein Rekordergebnis zurück. Dass sie dennoch nicht zu den Gewinnern zählt, ist auf einen Sondereffekt zurückzuführen. Die Bahn, die sich auch vierzig Jahre nach dem Kinostart des James-Bond-Films rund um den Piz Gloria geschickt zu vermarkten weiss, führte im Juni eine Kapitalerhöhung um 1,5 auf 10,5 Millionen Franken durch. Wenn mehr Aktien in Umlauf geraten, führt dies zu einer Verwässerung des Aktienkurses. Wobei bestehende Aktionäre in den Genuss von Bezugsrechten kamen, sodass sie sich an der Kapitalerhöhung zu Vorzugsbedingungen beteiligen konnten.

 

Die Kursentwicklung der Nichtkotierten ist freilich mit Vorsicht zu interpretieren. Findet an einem bestimmten Tag kein Handel statt, so wird nach Handelsschluss der Geldkurs als Schlusskurs angegeben. Also jener Preis, den ein potenzieller Aktionär gewillt ist, für eine bestimmte Aktie zu bezahlen. Dieser Preis kann unter Umständen markant vom Briefkurs abweichen.

 

Börse Schweiz: Day ist nur statistisch ein Star

2007 Meyer Burger, 2008 Life Watch und 2009 Day. Drei Mal nacheinander haben Technologieunternehmen während des Kalenderjahres den grössten Kurssprung erzielt. Und drei Mal nacheinander ist es ein sogenannter Small Cap. Die Softwarefirma Day mit Sitz in Basel erzielte 2009 eine Rendite von 440 Prozent.

Von einem Vorzeigeunternehmen darf dennoch nicht gesprochen werden. Der Schlusskurs von Fr. 74.25 ist nämlich meilenweit vom Höchstkurs entfernt. Als die Firma während des Technologiefiebers an die Börse kam, zahlten Anleger 780 Franken pro Aktie, zehn Mal

mehr als heute. Day hat sich auf Content-Management-Systeme spezialisiert. Sie entwickelt Software für den Internet- und Intranetauftritt von Unternehmen.

Bei den grossen Firmen, deren Aktien im Swiss Market Index (SMI) enthalten sind, schwingt Swiss Life obenaus. Hier gibt es eine Parallele zu Day: Im Zehnjahresvergleich schneidet Swiss Life von allen SMI-Unternehmen am schlechtesten ab.

 

Erschienen in der BZ am 31. Dezember 2009


Claude Chatelain