Gold glänzt nicht, es blendet

Wann immer der Kurs einer Anlageklasse Rekorde um Rekorde bricht, ist Vorsicht geboten. Das riecht nach einer Blase, auch beim Gold. Und doch gibt es Argumente, die für noch höhere Goldpreise sprechen.

Gold war für Anleger schon immer so etwas wie ein sicherer Hafen. Wenn sich Erdenbewohner vor allerlei Unheil bedroht fühlen, flüchten sie ins Gold. Nun haben seit März die Aktienkurse rund um den Globus markant angezogen, was zweifellos darauf hindeutet, dass nach und nach Ruhe eingekehrt ist. Die globale Finanzkrise mit dem darauffolgenden globalen Wirtschaftsabschwung schien berechenbar geworden zu sein. Das ist also nicht unbedingt das Umfeld, in welchem Edelmetalle hoch im Kurs sind. Und doch kletterte der Goldpreis von Rekord zu Rekord.

 

«Keine Anlage sorgt seit einigen Wochen für so viel Aufsehen, weckt so viele Emotionen», schrieb kürzlich der «Praktikus» in der «Finanz und Wirtschaft». Keine Anlage werde derart kontrovers eingeschätzt wie Gold. Seit nämlich für eine Unze des kostbaren Edelmetalls mehr als 1000 Dollar zu bezahlen sind, wird jeder neue Höchststand prominent vermeldet. Zwischendurch kostete die Feinunze sogar mehr als 1200 Dollar.

 

Vorbote finsterer Zeiten?

 

Wie gesagt: Anleger decken sich vor allem dann mit Gold ein, wenn Unheil droht. Ist also der jüngste Goldrausch ein Vorbote finsterer Zeiten? «Zum Beispiel eine ausser Kontrolle geratene Inflation oder ein Kollaps des Dollars als Folge der exzessiven Verschuldung der amerikanischen öffentlichen Hand?», fragt der Kolumnist «Praktikus».

 

Der «Tages-Anzeiger» ist überzeugt, dass sich hier eine Blase gebildet hat, die irgendwann platzen wird. Andere, kühnere Propheten sagen dagegen einen Unzenpreis von 5000 Dollar voraus, fast eine Verfünffachung des heutigen Preises.

 

Zentralbanken kaufen Gold

 

Für das Gold spricht, dass die Zentralbanken rund um den Globus in diesem Jahr wieder mehr Gold kauften als verkauften. Denn das Verhalten der Zentralbanken ist buchstäblich zentral. Während Jahren hatten sie überschüssige Goldreserven abgebaut. Die Zentralbanken waren es, die die Angebotslücke schlossen. Pro Jahr werden rund 2500 Tonnen gefördert. Schmuck- und Elektroindustrie brauchen jedoch einiges mehr, je nach Konjunktur so um die 4000 Tonnen. Ein Teil der Nachfrage wird durch das Recycling von Altgold gestopft. Der andere Teil durch den Goldverkauf der Notenbanken. Wenn diese wieder zu Nettokäufern werden, kann das auf den Goldpreis nur eine Wirkung haben: Druck nach oben.

 

Schweizer Anleger haben jedoch am Goldrausch nur beschränkt Freude: Was das Gold an Wert zulegte, verlor der Dollar. Und sollte der amerikanische Ökonomieprofessor Allan Melzer Recht behalten, ist die Schwindsucht der US-Währung noch nicht ausgestanden.

 

Erschienen in der BZ am 22. Dezember 2009

Claude Chatelain