Der Ascoop fahren die Bahnen davon

Die Montreux-Oberland-Bahn - hier mit einem Zug in Rougemont - fährt in der beruflichen Vorsorge einer neuen Lösung entgegen.
Die Montreux-Oberland-Bahn - hier mit einem Zug in Rougemont - fährt in der beruflichen Vorsorge einer neuen Lösung entgegen.

Ascoop, die Sammelstiftung der Privatbahnen, verliert immer mehr Mitglieder: Die Bielersee-Schifffahrtsgesellschaft steht vor dem Absprung. Und die Montreux-Oberland-Bahn könnte schon bald die nächste sein.

Der Ascoop fahren die Bahnen davon: Nach mehreren bekannten Abgängen hat nun auch die Bielersee-Schifffahrtsgesellschaft ihre Absicht kundgetan, sich bei der Ascoop zu verabschieden. Sie will sich der Pensionskasse der Stadt Biel anschliessen. Wie dieser Anschluss aussehen soll, ist noch offen. Doch Hans Stöckli, SP-Nationalrat, Bieler Stadtpräsident und Präsident der Schifffahrtsgesellschaft, ist «zuversichtlich», dass man mit der Stadt Biel eine Lösung finden kann.

 

Misswirtschaft belastet

 

Bei der Ascoop definitiv gekündigt haben die Rigibahnen, die Matterhorn-Gotthard-Bahn, die Gornergrat-Bahn und die Firstbahnen. Vorher haben die Zentralbahn, die Aare Seeland Mobil mit Sitz in Langenthal sowie die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen die Ascoop-Sammelstiftung verlassen. Per Ende 2008 waren bei der Ascoop 150 Vorsorgewerke angeschlossen, hauptsächlich konzessionierte Transportanstalten und touristische Unternehmen.

 

Die meisten Vorsorgewerke der Ascoop leiden unter einer massiven Unterdeckung. Einer der Gründe dieser miserablen Situation ist der Misswirtschaft früherer Manager zu verdanken.

 

Weiter ist damit zu rechnen, dass auch sieben Transportunternehmen aus dem Kanton Waadt abspringen werden, darunter die Montreux-Oberland-Bahn (MOB), bei welcher der Kanton Bern zu 19 Prozent beteiligt ist. Die MOB braucht 14 Millionen Franken, um den Deckungsgrad ihres Vorsorgewerks auf 90 Prozent zu hieven. Nun hat die Pensionskasse des Waadtländer Staatspersonals, die Retraite Populaire, den Transportanstalten aus dem Waadtland ein «interessantes Angebot» unterbreitet, bestätigt MOB-Chef Richard Kummrow. Sie gewährt den Bahnen einen Kredit zu Vorzugsbedingungen. Damit verringern sich die Kosten für die Sanierung der Vorsorgewerke. Würde die MOB bei der Ascoop oder bei der neu zu gründenden Symova bleiben, müsste sie das Geld auf dem Finanzmarkt zu deutlich schlechteren Bedingungen aufnehmen.

 

Die Retraite Populaire will eine Tochtergesellschaft gründen, bei welcher sich Mitarbeiter von Transportunternehmen oder auch Spitalangestellte des Kantons versichern könnten.

Ob die MOB tatsächlich ihr Vorsorgewerk zu dieser neuen Stiftung zügelt, ist allerdings noch nicht definitiv. Noch offen ist, ob die Aufsichtsbehörde diesen Handel absegnen wird.

 

RBS, CJ und BLS

 

Auch andere bei Ascoop versicherte Unternehmen müssen nun Geld in die Hand nehmen, um auf dem Sanierungspfad zu bleiben. Dank der markanten Erholung der Finanzmärkte präsentiert sich die Lage allerdings nicht mehr so prekär wie auch schon.

 

Der Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) kann per Ende 2009 auf eine Verbesserung des Deckungsgrades von 74 auf 78 Prozent hoffen. Die Differenz zum Soll-Deckungsgrad von 81,23 Prozent beträgt rund 4,2 Millionen Franken. «Der RBS wird bereits Ende dieses Jahres in der Lage sein, die erforderlichen Mittel in sein Vorsorgewerk einzuzahlen», beruhigt Sprecherin Fabienne Thommen.

 

Bei der BLS sieht es danach aus, dass sie keine zusätzliche Mittel einschiessen muss. Sie hatte per Ende 2008 einen Deckungsgrad von 77 Prozent. Dieser dürfte nun bei rund 81 Prozent liegen.

 

Von Ascoop zu Symova

Bekannt ist, dass die Ascoop eine zweite Stiftung gründen will. Neu ist, wie die zehn Gründungsmitglieder heissen. BLS, RBS und Konsorten werden also aus der Ascoop austreten und die neue Sammelstiftung Symova gründen. Die Stiftung ist auch den anderen Firmen offen, die noch bei der Ascoop versichert sind. Voraussetzung ist, dass sie sich verpflichten, den vorgegebenen Sanierungspfad einzuhalten, der vom Bundesamt für Sozialversicherungen abgesegnet wurde.

Der Sanierungsplan sieht vor, dass das Vorsorgewerk per Ende 2009 einen Deckungsgrad von 81,23 Prozent aufweisen muss. Wer darunter liegt, muss die Lücke stopfen. Wer den Sanierungspfad nicht einzuhalten vermag, verbleibt in der Ascoop-Sammelstiftung.

 

Erschienen in der BZ am 18. Dezember 2009


Claude Chatelain