Schweinegrippe: "Der Flaschenhals lag beim Umpacken"

Zu Beginn der kommenden Woche soll der Engpass beim Impfstoff auch im Kanton Bern beseitigt sein.

Warum tut man sich im Kanton Bern mit der Verteilung des Schweinegrippe-Impfstoffs besonders schwer? Jedenfalls schwerer als in anderen Kantonen? «Der Flaschenhals lag im Umpacken der von den Pharmafirmen gelieferten Grosspackungen in Zehnerpackungen», erklärt der Berner Kantonsapotheker Samuel Steiner. Das erklärt auch, weshalb vor allem die bevölkerungsstarken Kantone wie Zürich, beider Basel, Luzern und eben Bern in Verzug geraten sind.

Kantonsapotheker Samuel Steiner
Kantonsapotheker Samuel Steiner

«Rückblickend betrachtet wäre es womöglich besser gewesen, man hätte Beschäftigte im Gesundheitswesen mit Patientenkontakt in den Spitälern impfen lassen», räumt Samuel Steiner ein. Damit hätte man etwas Zeit gewonnen.

 

Bisher wurden im Kanton Bern mehr als 80000 Dosen Impfstoff verteilt. Zu Beginn der kommenden Woche werden dem Kanton Bern bei den Grossverteilern etwa 460000 Dosen der drei Impfstoffe zur Verfügung stehen. «Somit ist es möglich, bereits ab Dienstag, 24.November, mit der Impfung der gesamten Bevölkerung zu beginnen, auch wenn Personen, die zu den Risikogruppen gehören, weiterhin mit Priorität behandelt werden», teilte die Gesundheits- und Fürsorgedirektion gestern mit.

 

Diese 460000 Dosen müssten bei einer Bevölkerung von 950000 Personen eigentlich ausreichen. Die Impfrate beträgt erfahrungsgemäss 15 Prozent. Wobei gewisse Heime überdurchschnittliche Raten von bis zu 30 Prozent vermeldeten.

 

Eine Besonderheit ist der Impfstoff Focetria, der für Risikogruppen wie Pflegepersonal, Schwangere und Kinder vorgesehen ist. Der Kanton Bern erhielt ein Kontingent von 30000 Impfungen. Ob dies genügt, konnte man am Anfang nicht abschätzen. Nach heutiger Sicht der Dinge dürfte dieses Kontingent laut Steiner ausreichen, zumal nachträglich noch 7000 zusätzliche Rationen zugesprochen wurden.

 

 

Novartis bevorzugt Mitarbeiter

Glücklich schätzt sich, wer bei der Novartis Pharma in Bern tätig ist. «Alle unsere Mitarbeiter konnten sich vergangene Woche freiwillig impfen lassen», bestätigt Kommunikationschef Urs Bigler. Von den 200 Novartis-Mitarbeitenden hätten in Bern um die 80 Personen davon Gebrauch gemacht. Gespritzt wurde ihnen der

firmeneigene Impfstoff Focetria. Also jener Impfstoff, der für Risikogruppen vorgesehen ist und dessen Menge eher knapp ist. Urs Bigler kontert: «Es hat nicht zu wenig Impfstoff, das Problem liegt in der Verteilung.»

 

Erschienen in der BZ am 21. November 2009


Claude Chatelain