«Wechseln Sie, es lohnt sich»

Die Antworten auf die wichtigsten Fragen der Krankenkassen-Hotline von letzter Woche.

Ich habe gehört, wenn man vor einer Operation eine Zweitmeinung einholt, gewähre einem die Krankenkasse einen Rabatt. Stimmt das?

Ja, aber es gibt zwei Einschränkungen. Erstens gilt dies nur bei Zusatzversicherungen, zweitens wird dieser Rabatt nicht mehr von allen Kassen gewährt.

 

Die Prämie meiner Krankenkasse steigt um 24 Prozent. Ich bin aber bereits 73 Jahre alt. Was raten Sie?

Wechseln Sie die Krankenkasse, es lohnt sich. Und lassen Sie sich nicht abwimmeln, wie das gewisse Kassen bei älteren Leuten mitunter versuchen. Die Krankenkassen unterstehen in der obligatorischen Grundversicherung einer Aufnahmepflicht.

 

Welches Risiko gehe ich bei der Assura ein? Man hört so viel Negatives über diese Kasse.

Die Assura verfolgt eine rigorose Kostenkontrolle. Sie können zum Beispiel die Rechnungen erst dann einschicken, wenn Sie die Franchise ausgeschöpft haben. Ferner erhalten Sie bei der Assura keine Versichertenkarte für die Apotheke, sodass Sie die Medikamente selber bezahlen müssen, ehe sie dann von der Kasse zurückbezahlt werden. Die strikte Kostenkontrolle erklärt auch die anhaltend tiefen Prämien dieser Kasse.

 

Ist es richtig, dass ich die mehrjährige Zusatzversicherung noch nicht kündigen darf, obschon die Prämie angestiegen ist?

Zusatzversicherungen haben meistens eine dreimonatige Kündigungsfrist auf Ende Jahr. Sie müssten also die Zusatzversicherung bis Ende September gekündigt haben. Bei mehrjährige Versicherungen müssen sie unter Umständen noch einige Jahre warten. Es sei denn, die Kasse erhöht die Prämie der Zusatzversicherung. In diesem Fall können Sie im Normalfall bis 30 Tage nach Erhalt der neuen Prämie die Versicherung kündigen – auch bei mehrjährigen Verträgen.

 

Obschon meine Prämie in der Zusatzversicherung gestiegen ist, kann ich sie laut Auskunft meiner Krankenkasse nicht kündigen, weil ich einen fünfjährigen Vertrag abgeschlossen habe.

Das ist durchaus möglich. Die Prämien für Zusatzversicherungen sind abhängig vom Alter. Häufig wird die Prämie nicht erhöht – und trotzdem zahlen Sie höhere Prämien. Dies allein deshalb, weil Sie in eine höhere Altersklasse aufgestiegen sind. Steigt die Prämie in Ihrem Fall, nur weil Sie in eine höhere Altersstufe rutschen, ist es tatsächlich möglich, dass Sie die Versicherung trotz höherer Prämie nicht kündigen können. Gewisse Kassen ermöglichen in solchen Fällen eine Kündigung, andere nicht. Das kommt auf die allgemeinen

Versicherungsbedingungen an.

 

Was passiert, wenn meine Krankenkasse pleitegeht? Werden die Leistungen dann trotzdem erbracht?

Die Wahrscheinlichkeit eines Krankenkassenkollapses ist sehr gering. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) prüft die finanzielle Lage der Kassen regelmässig. Es genehmigt die Grundversicherungsprämien nur dann, wenn die Solvenz der Krankenkasse nicht gefährdet ist. Sollte die Kasse trotzdem illiquide werden, so stellt das Gesetz sicher, dass die Versicherungsdeckung für jeden Versicherten zu jedem Zeitpunkt gewährleistet ist.

 

Was ist von den Billigkassen zu halten? Sind diese weniger sicher als andere?

Die Leistungen in der Grundversicherung sind alle gleich. Jede Kasse muss jeden Versicherten aufnehmen, unabhängig von Alter und Gesundheitszustand, obschon manchmal älteren Versicherten Hürden in den Weg gestellt werden, wie kürzlich der «Kassensturz» im Fall der Billigkasse Sanagate aufzeigt hat.

 

Ein Freund sagte mir, die Spitalversicherung «Allgemeine Abteilung ganze Schweiz» bräuchte ich nicht. Was meinen Sie?

Wir meinen das Gleiche wie Ihr Freund. Im Kanton Bern macht dieser Versicherungszusatz wenig Sinn. Sie werden sich ja wohl kaum in einem Spital ausserhalb des Kantons behandeln lassen. Und sollten sie notfallmässig in ein Spital eines anderen Kantons eingeliefert werden, ist der Spitalaufenthalt über die Grundversicherung gedeckt. Die Zusatzversicherung «Allgemeine Abteilung ganze Schweiz» macht für Leute Sinn, die zum Beispiel im freiburgischen Murten wohnen, aber bei Bedarf nicht in Freiburg, sondern in Bern hospitalisiert werden möchten.

 

Wir haben ein halbjähriges Baby. Sollten wir schon heute für unser Kind eine Versicherung für Zahnstellungskorrekturen abschliessen? Und bei wem?

Die Versicherungen für Zahnstellungskorrekturen unterscheiden sich vor allem im Selbstbehalt und in der Begrenzung der jährlichen Leistung. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis finden Sie bei Groupe Mutuel, Sanitas, Atupri, Agrisano, Provita und KPT (siehe Tabelle). Spätestens im vierten Altersjahr sollten Sie die Versicherung abschliessen. Ist das Kind beim Schulzahnarzt gewesen, riskieren Sie, dass es nicht mehr aufgenommen wird.

 

Erschienen in der BZ am 10. November 2009

Claude Chatelain