Vierte Säule: Zum Wechsel in der Grundversicherung

Morgen Mittwoch wird diese Zeitung eine Hotline zu Krankenkassenfragen aufschalten. Eine Frage, die an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gestellt werden wird, sei hier schon mal beantwortet: Ja, es ist kein Problem, für die obligatorische Grundversicherung die Krankenkasse zu wechseln.

Auch Alte und Kranke können das tun. Das sagte schon Bundesrätin Ruth Dreifuss. Es sagte dies auch ihr Nachfolger Pascal Couchepin. Und Didier Burkhalter, der Nachfolger von Couchepin, wird das bestimmt auch sagen. Bisher haben aber solche Beteuerungen wenig genützt.

 

Laut dem Vergleichsdienst Comparis nutzten in den vergangenen Jahren keine 5 Prozent der Versicherten die Gelegenheit, zu einer günstigeren Kasse zu wechseln. Viele Leute wollen einfach nicht wahrhaben, dass auch Chronischkranke die Krankenkasse austauschen können. Doch in diesem Jahr scheint einiges anders zu sein. Comparis schätzt, dass heuer 18 Prozent der Versicherten die Grundversicherung wechseln. Das sind 1,3 Millionen Versicherte. Bonus, der Vergleichsdienst aus der Romandie, sprach im Sommer sogar von einer Wechselquote von 30 Prozent.

 

Bisher waren es vor allem die Jungen und Gesunden, die via Internet die günstigste Kasse aussuchten. Die gleichen Leute also, die auch die höchsten Franchisen wählten. Nun hat aber Bundesrat Pascal Couchepin die Rabatte für die hohen Franchisen eingeschränkt. Damit schlägt der Prämienanstieg bei den hohen Franchisen besonders stark zu Buche. Deshalb sehen sich die Versicherten mit hohen Franchisen erst recht gezwungen, nach einer billigeren Lösung zu suchen.

 

Werden tatsächlich über eine Million der Versicherten die Kasse wechseln, können wir uns auf einiges gefasst machen: Die Kassen mit den günstigsten Prämien werden während Monaten heillos überfordert sein. Die Versicherten werden Geduld aufbringen müssen, bis sie den Versicherungsausweis im Briefkasten finden. Gewisse Kassen werden den Telefondienst herunterfahren, wie das früher schon passiert ist. Und was mich selber auch ratlos macht: Die Krankenkassen werden standhaft behaupten, das schweizerische System der 87 Krankenkassen sei effizient.

 

Erschienen in der BZ am 3. November 2009

Claude Chatelain