Die Spitalkostenzusatzversicherung, die nicht ins Auge geht

Spitalkostenzusatzversicherungen halbprivat oder privat sind teuer – für manche zu teuer. Flexible Angebote mit tieferen Prämien und höheren Selbstbehalten sind die Alternative. Nicht alle Kassen sind aber überzeugt davon.

Die Zahlen der CSS sprechen für sich: Die Anzahl der Privat- und Halbprivatversicherten nahm von 2006 bis 2009 um 8 Prozent ab. Derweil vergrösserte sich der Versichertenbestand in der flexiblen Spitalkostenzusatzversicherung in der gleichen Zeitspanne von 52000 auf 86000, plus 65 Prozent.

 

Auch Atupri, die ehemalige SBB-Krankenkasse mit Sitz in Bern, macht mit dem flexiblen Modell gute Erfahrungen. Im Einführungsjahr 2006 startete Atupri mit 456 Versicherten. Ein Jahr später waren es fast doppelt so viel, und heute haben 2452 Personen «Opti» abgeschlossen, wie die flexible Spitalversicherung bei Atupri heisst.

 

Happiger Selbstbehalt

 

Die flexible Spitalkostenzusatzversicherung ist noch relativ neu. Das Prinzip ist einfach: Die Prämie ist deutlich tiefer als bei der klassischen Privat- und Halbprivatversicherung, dafür ist bei einem allfälligen Spitalaufenthalt ein happiger Selbstbehalt von mehreren tausend Franken in Kauf zu nehmen. Man entscheidet also vor dem Spitaleintritt, in welcher Abteilung man sich behandeln lässt und zahlt dann den entsprechenden Selbstbehalt. Selbstverständlich kann man auf die höhere Spitalklasse auch verzichten und nimmt diese beispielsweise nur bei einem längeren Spitalaufenthalt oder einem komplizierten medizinischen Eingriff in Anspruch.

 

Einsparungen gesucht

 

Der Zuspruch bei den flexiblen und eben günstigeren Modellen ist naheliegend: Seit zehn Jahren schnellen die Prämien für die Grundversicherung in die Höhe. Da schaut man automatisch nach Einsparungen bei den Gesundheitsausgaben und eine solche ergibt sich eben im Wechsel von der klassischen zur flexiblen Spitalkostenzusatzversicherung.

 

Bei der CSS beträgt die Monatsprämie für die flexible Variante Fr.15.10, wenn man für die halbprivate Abteilung einen Selbstbehalt von 4000 Franken in Kauf nimmt. Soll der Selbstbehalt auf 2000 Franken halbiert werden, erhöht sich die Monatsprämie bei der CSS auf Fr.31.90. Die Zahlen gelten für einen Mann mit Wohnsitz Bern und Jahrgang 1970.

 

Zum Vergleich: Die halbprivate Spitalversicherung ohne Selbstbehalt kostet im gleichen Fall bei der CSS Fr.45.50; die Spitalkostenversicherung privat Fr.123.50 pro Monat.

Hält nichts von Flex-Angeboten - Reto Egloff von der KPT.
Hält nichts von Flex-Angeboten - Reto Egloff von der KPT.

Visana und KPT

 

Allerdings führen nicht alle Krankenversicherer die Flex-Variante im Angebot. Visana, mit über 1300 Mitarbeitenden der grösste Krankenversicherer im Kanton Bern, kündigte auf 2010 ein Flex-Produkt an, muss nun die Einführung des neuen Produktes auf 2011 verschieben. Und die KPT, die zweitgrösste unter den Berner Kassen, hält nicht viel von Flex-Produkten. «Das Spitalprodukt Flex ist ein reines Marketingprodukt, welches in den letzten Jahren in Mode gekommen ist», sagt Marketingchef Reto Egloff. Die entsprechenden Produkte seien oft kompliziert.

 

Etwa bei Notfällen ist das Flex-Produkt laut Egloff nicht ideal. Der Versicherte ist häufig nicht in der Lage, die Klasse auszuwählen. Und das Spital kann nicht erkennen, welche Deckung der notfallmässig eingelieferte Versicherte wünscht. «Wir haben Rückmeldungen von Spitälern, dass diese Deckung nicht so einfach zu handhaben ist», sagt Egloff.

 

Erschienen in der BZ am 3. November 2009

Claude Chatelain