Vierte Säule: Tolpatschige Schalterangestellte

Bekommen Banken oder Post Wind vom Tod eines Kontoinhabers, so wird das Konto für Angehörige gesperrt, selbst wenn diese über eine Vollmacht verfügen. Das Konto wieder zu entsperren kann recht mühsam sein, wie in der Kolumne vom 6.Oktober beschrieben. 

Deshalb meine damalige Frage: «Liebe Leser, welche Erfahrungen haben Sie gemacht?» «Im Wesentlichen habe ich die gleichen Erfahrungen wie Sie gemacht», schreibt Rodolfo Degiacomi aus Oberwangen. Kommt hinzu, dass ihm bis heute noch keine Bank verständlich erklären konnte, «weshalb eine ausgefüllte und vom Kontoinhaber unterzeichnete Vollmacht über den Tod hinaus eben gerade nicht über den Tod hinaus Gültigkeit hat».

 

Glücklich kann sich ein Mann aus Ostermundigen schätzen. Weder Post noch Bank hatten nach dem Tod seines Vaters die Konti gesperrt. Somit konnte er mit seiner Vollmacht die Rechnungen problemlos bezahlen. Und um die Konti aufzulösen, genügte nach seinen Angaben ein Schreiben mit der Erbgangsbescheinigung und den Vollmachten der anderen Erben.

 

Ob also die Konti gesperrt und die Trauernden mit administrativen Schikanen belastet werden, scheint eine Frage des Zufalls zu sein.

 

Den Vogel abgeschossen hat aber eine Grossbank bei Monika Wyss. «Ich machte punkto Konti vom Vater Horror mit», schrieb sie. Auch sie hatte bereits vor dem Tod ihres Vaters eine Vollmacht erhalten. Auch die Vollmachten der Geschwister lagen vor. Mit all den nötigen Unterlagen stand sie am Schalter und wollte die Konti des verstorbenen Vaters auflösen. Doch die Schalterangestellte erklärte, es sei unmöglich, da müsse sie mit ihrem Vater vorbeikommen. «In meiner Wut und Unfassbarkeit fragte ich sie, ob sie mir die Telefonnummer vom Himmel habe, dann könne ich möglicherweise meinen toten Vater erreichen.» An Stelle einer Entschuldigung sagte die Schalterdame: «Ach so, an das habe ich jetzt nicht gedacht.»

 

Vielleicht wäre es angezeigt, Schalterangestellte nicht nur über juristische Spitzfindigkeiten auszubilden. Im einen oder anderen Fall würde auch ein Kurs in Psychologie nicht schaden.

 

Erschienen in der BZ am 27. Oktober 2009

Claude Chatelain