Kommentar: Das heisse Eisen der Selbstdispensation

Man erinnert sich: Bei der Debatte zum Krankenversicherungsgesetz (KVG) war die Medikamentenabgabe durch Ärzte der letzte strittige Punkt. Um die Ärzte nicht zu verärgern und damit die Vorlage nicht zu gefährden, sah Bundesrätin Ruth Dreifuss davon ab, die Medikamentenabgabe einzuschränken. Das zeigt: Die Selbstdispensation ist ein heisses Eisen.

Warum der Gesundheitsminister Pascal Couchepin den Schluss seiner Amtszeit abwartete, um das heisse Eisen anzufassen, lassen wir mal offen. Tatsache ist, dass die Medikamentenabgabe durch Ärzte ein schweizerisches Unikum ist. Tatsache ist ebenfalls, dass die Medikamentenabgabe falsche Anreize setzt. Den Ärzten ist nicht zu verübeln, wenn sie eher zu viel als zu wenig Medikamente abgeben. Ärzte sind auch nur Menschen. Und vor allem sind sie halbwegs freie Unternehmer.

 

Ärzte sollen für ihre Dienstleistung entschädigt werden, nicht für den Verkauf von Medikamenten. Und wo durch ein Verbot der Selbstdispensation massive Einkommenseinbussen drohen, ist das über den Ärztetarif Tarmed auszugleichen.

Für Landärzte, die weg vom Schuss ihrer wertvollen Arbeit nachgehen, sollen Ausnahmeregelungen gelten. Das versteht sich von selbst.

 

Erschienen in der BZ am 22. Oktober 2009

Claude Chatelain