Vierte Säule: Zur Einschränkung der Franchise

Pascal Couchepin will Freiheiten einschränken.
Pascal Couchepin will Freiheiten einschränken.

Die 87 Krankenkassen in der Schweiz rechtfertigen ihre Daseinsberechtigung mit dem Argument des Wettbewerbs. Nur Wettbewerb sorge für effizientes Schaffen. Und sie setzen alles daran, dass auch der Kunde seinen Beitrag zur Kostendämpfung leistet. Dies geschieht etwa mit der Wahlfreiheit von Franchisen: je höher die Franchise, desto tiefer die Prämie. Dafür geht der Versicherte mit hohen Franchisen das Risiko ein, bei unvorhergesehen hohen Krankheitskosten tiefer in den Sack zu langen als bei einer kleinen Franchise.

Dieses Anreizsystem scheint nicht allen zu passen. Als eine seiner letzten Amtshandlungen hat Bundesrat Pascal Couchepin die Rabatte auf hohen Franchisen verringert. Nach dem Motto: Mehr Solidarität, weniger Markt. Der Anreiz, höhere Franchisen und damit ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen, wird damit geschmälert.

 

Nun droht eine weitere Einschränkung der Franchisen: So sollen die Versicherten dazu verknurrt werden, die Franchise drei Jahre nicht ändern zu dürfen. Der Nationalrat hat sich bereits dafür ausgesprochen. Nun muss noch der Ständerat darüber befinden. Damit würde der Anreiz von höheren Franchisen nochmals gemindert. Wenn es wirklich so weit kommt, werden immer weniger Prämienzahler bereit sein, mit höheren Franchisen ein höheres Risiko in Kauf nehmen.

 

Erstaunlich ist, dass es diesmal die Krankenkassen sind, die sich für solche Knebelverträge starkmachen. Sie wollen offensichtlich verhindern, dass Kunden von hohen zu tiefen Franchisen wechseln, falls ein Spitalaufenthalt bevorsteht. Dabei müssen wir in der NZZ erst noch lesen, dass 90 Prozent der Versicherten ihrer Franchise treu bleiben. Die angeblichen Probleme, die die Krankenkassen bekämpfen, sind laut NZZ erfunden.

 

Mögen die Krankenkassen Anreizsysteme und Wettbewerbselemente ausmerzen. Sie stellen damit zunehmend ihre Daseinsberechtigung in Frage. Und sie liefern jenen Kräften üppige Nahrung, die nur darauf warten, einen wiederholten Anlauf zur Schaffung einer Einheitskrankenkasse zu starten. Nur der Dümmste sägt am Ast, auf dem er sitzt.

 

Erschienen in der BZ am 20. Oktober 2009

Claude Chatelain