Vierte Säule: Zur Angstmacher-Politik der Versicherungen

«Die AHV schreibt Defizite, die Pensionskassen weisen Unterdeckungen auf und wollen den Umwandlungssatz kürzen.» Wahrlich keine frohe Botschaft von Aspecta. Und weiter schreibt der deutsche Versicherer, der von Liechtenstein aus den Schweizer Markt beackert: «Die drohende Vorsorgelücke kann mit dem Aufbau von individuellem Alterskapital abgewendet werden.»

Zur AHV: Ob die jüngere Generation eine Rente erhalten wird, ist nicht eine Frage der Lebenserwartung oder der Finanzerträge. Es ist eine Frage des politischen Willens. Die Zukunft der AHV wird an der Urne bestimmt. Jetzt, wo die geburtenstarken Jahrgänge nach und nach pensioniert werden, bilden diese bei Abstimmungen eine geballte Kraft. Sie wird es nicht zulassen, die AHV auszuhöhlen.

 

Zur Pensionskasse: Richtig ist, dass es fürs gleiche Kapital immer weniger Rente gibt. Doch das Bundesgesetz über die berufliche Vorsorge (BVG) trat erst 1985 in Kraft. Viele Arbeitnehmer, die heute in Pension gehen, haben nicht seit Beginn der Erwerbstätigkeit in die 2.Säule einbezahlt.

 

Das Freizügigkeitsgesetz ist sogar noch später, erst 1995, in Kraft getreten. Wer vor diesem Datum die Stelle wechselte, konnte nur die Arbeitnehmer-, nicht aber die Arbeitgeberbeiträge mitnehmen. Die jüngere Generation wird also im Schnitt bis zur Pensionierung ein höheres Kapital angespart haben als die heute 60-Jährigen. Dies erst recht, sollten sie erst mit 67 pensioniert werden. Aber dies ist eine andere Story.

 

Der Tipp, als private Vorsorge eine dritte Säule aufzubauen, ist sicher nicht falsch. Aber bitte nicht mit billiger Angstmacherei.

 

Erschienen in der BZ am 13. Oktober 2009

Claude Chatelain