Wie in der zweiten Säule Misstrauen geschaffen wird

Swisscanto erhebt in regelmässigen Abständen den durchschnittlichen Deckungsgrad bei Pensionskassen.
Swisscanto erhebt in regelmässigen Abständen den durchschnittlichen Deckungsgrad bei Pensionskassen.

Jede vierte Kasse habe einen Deckungsgrad von unter 90 Prozent und müsste daher saniert werden, verlautete Swisscanto im Februar auf Grund einer ersten Stichprobe. Im Juni, nachdem 272 Vorsorgeeinrichtungen befragt und deren Ergebnisse hochgerechnet worden waren, war es dann nur noch jede fünfte Pensionskasse, die per Ende 2008 einen kritischen Deckungsgrad von unter 90 Prozent aufwies.

Anfang dieser Woche dann die Entwarnung seitens der kantonalen Aufsichtsämter: Nur 8,2 Prozent, also nicht mal jede zehnte Pensionskasse, bilanzierten einen Deckungsgrad von unter 90 Prozent.

 

Gestern lud Swisscanto erneut zu einer Präsentation, verlor aber kein Wort darüber, wie viele Kassen nun wirklich im kritischen Bereich liegen. Die Verantwortlichen konnten sich auch nicht erklären, weshalb die kantonalen Aufsichtsämter auf derartige Zahlen kamen. Sie wunderten sich darüber, dass die Kantone die Zahlen von 3200 Vorsorgeeinrichtungen zusammentrugen, wenn doch laut Bundesamt für Statistik nur 2543 Vorsorgeeinrichtungen registriert sind. Und sie sagten, dass sie die Zahlen anders gewichten als die Kantone.

 

Wollen die in der Pensionskassenberatung tätigen Firmen Vertrauen in die berufliche Vorsorge schaffen, lassen sie ihre vagen Schätzungen über mögliche durchschnittliche Deckungsgrade lieber sein. Sie verlieren dadurch zwar einen wirkungsvollen Publizitätseffekt. Dafür schaffen sie kein Misstrauen und verleiten nicht zu überhasteten Massnahmen.

 

Zitieren wir Otto von Bismarck zu Ende: «Das Vertrauen ist eine zarte Pflanze. Ist es zerstört, so kommt es so bald nicht wieder.»

 

Erschienen in der BZ am 24. September 2009

Claude Chatelain