Pensionskassen verschliefen das Aktienrallye

Eine gängige Börsenregel besagt: «Kaufe in der Baisse, verkaufe in der Hausse.» Die Pensionskassen halten sich nicht daran. Ihr Aktienanteil lag Ende 2008 bei bescheidenen 21,6 Prozent, rekordverdächtig tief.

Die Aktienmärkte legten seit März eine beeindruckende Rallye hin. So liegt der Swiss Performance Index (SPI) gegenüber Ende 2008 um über 20 Prozent im Plus. Doch macht es den Anschein, dass Pensionskassen nur beschränkt von dieser Hausse profitieren: Der durchschnittliche Aktienanteil lag per Ende 2008 bei 21,6 Prozent. «Er liegt sogar tiefer als derjenige des Jahres 1994 oder auch 2002», sagte gestern Michael Brandenberger von der Beratungsfirma Complementa. Er präsentierte diese Zahlen anlässlich des Herbstgesprächs von Swisscanto zur aktuellen Verfassung der Vorsorgeeinrichtungen.

2009: Plus 9,7 Prozent

 

Als Messlatte für die Rendite von Pensionskassen dienen die Indizes der Banque Pictet, namentlich der BVG-25 oder BVG-40. Die Zahl hinter dem BVG steht für den Aktienanteil. So müssten Pensionskassen mit einem Aktienanteil von 25 Prozent seit Anfang Jahr eine Rendite von 9,7 Prozent erzielt haben, sofern sie analog des Pictet-Indexes investierten. Bei einem Aktienanteil von 40 Prozent liegt die Messlatte bei 14,6 Prozent. Die meisten Pensionskassen dürften jedoch darunter liegen, belief sich doch die Aktienquote Anfang Jahr auf unterdurchschnittlich tiefem Niveau.

 

Aus Fehlern nichts gelernt

 

Man darf damit den Pensionskassen unterstellen, pro-zyklisch investiert und aus vergangenen Fehlern nichts gelernt zu haben. Erfolg versprechend wäre eine anti-zyklische Anlagestrategie: Bei gedrückten Kursen den Aktienanteil zu erhöhen und bei hohen Preisen die Quote herunterzufahren. Getreu dem Prinzip: «Kaufe in der Baisse, verkaufe in der Hausse.»

 

Kaufe und Halte


Laut Michael Brandenberger verfolgten die meisten Pensionskassen eine «Kaufe-und-Halten-Strategie». Sie würden also bei fallenden Kursen keine Aktien zukaufen.

 

Somit ist der tiefe Aktienanteil Ende 2008 wegen der tieferen Aktienkurse entstanden. Und somit waren die Pensionskassen nur halbherzig in Aktien investiert, als die Märkte im März zum Höhenflug ansetzten.

 

Erschienen in der BZ am 24. September 2009

Claude Chatelain