Vierte Säule: Raiffeisen kann man es nie recht machen

Sie kennen das Gefühl: Geht es einem zu gut, wird man leicht übermütig. Manchmal geht es mir zu gut, ich werde übermütig und publiziere die Zinsen ausgewählter Banken. Zoff ist programmiert.

Beim ersten Mal beklagte sich Postfinance, ich hätte den falschen Zins publiziert. Nun, die Sparkonti gleichen sich eben nicht wie Eier. Manchmal gewähren sie höhere Zinsen, verlangen aber auf der anderen Seite Auflagen. Ein anderes Mal meldete sich eine kleine Bank aus dem Berner Oberland, sie sei nicht erwähnt worden. Dazu ist zu sagen, dass erstens nicht jedes Mal jede Bank aufgeführt werden kann und besagte Klägerin bei den beiden vorangehenden Publikationen aufgeführt worden war.

 

Besonders anstrengend sind jedoch die Raiffeisenbanken, wie ich aus meiner langjährigen Tätigkeit in diesem Metier feststellen darf. Im Unterschied zu Credit Suisse und UBS haben die Raiffeisenbanken nicht einheitliche Konditionen. Sie sind rechtlich eigenständige Institute, die bei der Raiffeisen Schweiz Genossenscahft mit Sitz in St. Gallen angeschlossen sind. Der Hauptsitz publiziert jeweils Richtsätze. Die einzelnen Mitgliedbanken sind aber frei, diese zu übernehmen oder nicht.

 

Wenn ich die Richtwerte Raiffeisen Schweiz publiziere, moniert zu einer an hundert Prozent grenzenden Wahrscheinlichkeit irgend eine Raiffeisenbank und klärt mich auf, dass sie nicht an diese Werte gebunden sei. Wenn ich ein anderes Mal der Einfachheit halber die Raiffeisenbanken im Zinsvergleich ignoriere, moniert zu einer an hundert Prozent grenzenden Wahrscheinlichkeit irgend eine andere Raiffeisenbank und will von mir wissen, was mir einfalle, diese wichtige Bankengruppe schnöde zu «vergessen». Am 7. Juli publizierte ich die Zinsen der Raiffeisenbank Jungfrau, schliesslich wird diese Zeitung nicht nur in der Bundesstadt gelesen. Und was schreibt mir nun eine Finanzberaterin der Raiffeisenbank Bern? «Uns hat etwas befremdet, dass bei diesem Vergleich die Sparzinsen der Raiffeisenbank Jungfrau angeführt wurden.»

 

Sie kennen das Sprichwort: Übermut tut selten gut. Nun, ich werde trotzdem ab und zu übermütig sein. Den aktuellen Zinsvergleich finden Sie auf der nächsten Seite.

 

Erschienen in der BZ am 22. September 2009

Claude Chatelain