Vierte Säule: Keine Hedge Fonds in Pensionskassen

Lehrer im Kanton Bern habens gut: Ihre Pensionskasse will keine Hedge Funds.
Lehrer im Kanton Bern habens gut: Ihre Pensionskasse will keine Hedge Funds.

Anfang Jahr sind neue Anlagevorschriften für Pensionskassen in Kraft getreten. Danach dürfen Einrichtungen der beruflichen Vorsorge bis zu 15 Prozent des gesamten Vermögens in alternative Anlagen investieren. Zu diesen zählen auch Hedge-Funds.

Für die Berner SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga waren die neuen Anlagevorschriften Anlass, eine Motion einzureichen. Der Nationalrat wird morgen darüber befinden, sollte die Bundesversammlung für die Bundesratswahl nicht allzu viel Zeit brauchen. Sommaruga macht sich für fünf Änderungen stark. Ich beschränke mich auf die erste: «Verzicht auf strukturierte Produkte und Hedge-Funds».

 

Hedge-Funds sind Investmentfonds, die bezüglich ihrer Anlagepolitik keinerlei gesetzlichen oder sonstigen Beschränkungen unterworfen sind. Sie werden eingesetzt, um unabhängig von der jeweiligen Marktsituation positive Erträge zu erzielen.

 

Damit haben Hedge-Fonds zumindest auf dem Papier durchaus Vorzüge, sollten sie doch von den wiederkehrenden Marktturbulenzen verschont bleiben. Leider vermochten sie den Tatbeweis dieser antizyklischen Vorzüge in der zurückliegenden Baisse nicht zu erbringen.

 

Einen anderen Tatbeweis haben sie aber bereits erbracht: Sie sind überdurchschnittlich teuer und höchst komplex

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Eine Pensionskasse sollte nicht nur eine passable Rendite erwirtschaften. Sie sollte auch vertrauenswürdig sein. Wenn sie aber in hochkomplexe Instrumente investiert, bei denen selbst Profis nur selten den Durchblick haben, ist das Misstrauen nicht mehr fern. Die mit Hedge-Funds erzielte Risikostreuung ist von geringerer Bedeutung als das Misstrauen, das eine Pensionskasse mit undurchsichtigen Anlagen erntet.

 

Die Bernische Lehrerversicherungskasse (BLVK) könnte als Vorbild dienen. 134 Millionen Franken respektive 3 Prozent des Vermögens hatte sie in Hedge-Funds investiert. Nun hat die Verwaltungskommission entschieden, aus diesen Anlagen auszusteigen. Gut gemacht. Sie wird damit allfälligen ungenehmen Fragen der Delegierten aus dem Weg gehen, ohne auf den Finanzmärkten grosse Chancen zu verpassen.

 

Erschienen in der BZ am 15. September 2009

Claude Chatelain