Mancher Schutz ist Luxus

Die Grundversicherung kann bis Ende November gekündigt werden. Die Zusatzversicherung hingegen nur bis Ende September, sofern die Prämie unverändert bleibt. Höchste Zeit also, die Police zu überprüfen.

Grundsatz Nummer eins: Sinn und Zweck einer Versicherung besteht darin, ein Risiko zu versichern, das einen ruinieren könnte. Typisches Beispiel ist die Privathaftpflicht. Der Schaden tritt selten ein, doch wenn er eintritt, kann er in die Millionen gehen. Im Unterschied dazu sind Versicherungen, welche Beiträge bis maximal 300 Franken pro Jahr leisten, Wetten und keine Versicherungen.

 

Grundsatz Nummer zwei: Wer eine Zusatzversicherung abgeschlossen hat und diese regelmässig beansprucht, sollte die Versicherung behalten.

 

Grundsatz Nummer drei: Wer eine Zusatzversicherung abgeschlossen hat und diese praktisch nie braucht, sollte überprüfen, ob die allfälligen Kosten nicht selber berappt werden könnten.

 

Ende Oktober werden Krankenkassenprämien wieder das grosse Thema sein. Die Krankenversicherer werden abermals mehr oder weniger saftige Prämienerhöhungen bekannt geben. Wer dann eine Zusatzversicherung kündigen will, kommt häufig zu spät. Bleibt nämlich die Prämie unverändert, ist eine dreimonatige Kündigungsfrist auf Ende Jahr einzuhalten. Wird die Prämie der Zusatzversicherung erhöht, kann sie auch später noch gekündigt werden. Ein Überblick.

 

  • Spitalkostenzusatzversicherung halbprivat: Die obligatorische Grundversicherung deckt die Grundbedürfnisse genügend ab. So gesehen sind Spitalkostenzusatzversicherungen ein Luxus. Wem die freie Arztwahl und das Liegen im Zweibettzimmer wichtig sind, wird diese Versicherung aber vorsichtshalber behalten.
  • Spitalkostenzusatzversicherung privat: In der Variante «halbprivat» lässt sich noch streiten, ob Luxus der richtige Begriff ist. In der Variante «privat» ist der Fall indessen klar: ein klassisches Luxusprodukt. Wem es aufs Geld nicht ankommt, der soll die Prämie bezahlen – als Beitrag zur Finanzierung der Spitäler.
  • Krankenpflegezusatzversicherung: Die beliebteste Zusatzversicherung überhaupt. Sie kostet wenig und deckt viel. Doch was sie deckt, ist entweder nicht sehr teuer oder kommt nicht sehr häufig vor. Die Versicherung leistet etwa Beiträge an Prävention, medizinische Hilfsmittel, zahnärztliche Behandlungen, ambulante Badekuren, psychotherapeutische Behandlungen, Transportkosten, Mutterschaft sowie Medikamente, die durch die Grundversicherung nicht gedeckt sind. Häufig sind hohe Kostenbeteiligungen in Kauf zu nehmen. Wichtig für Kinder: Oft werden bis zu einem bestimmten Umfang die Kosten für Zahnspangen und kieferorthopädische Eingriffe über diese Versicherung gedeckt. In solchen Fällen ist sie für Kinder zweifellos ratsam. Erwachsene könnten sich die Prämie sparen.
  • Zahnversicherung: In manchen Fällen überflüssig. Der Versicherungsschutz ist limitiert, sodass man die Kosten gleich selber berappen kann. Die hohen Zahnarztkosten für Kinder entstehen nicht durch Amalgamfüllungen, sondern durch Zahnspangen und kieferorthopädische Behandlungen. Just diese Kosten sind bei etlichen Krankenkassen nicht durch die Zahnversicherung, sondern durch die unter Punkt 3 genannte Krankenpflegezusatzversicherung gedeckt.
  • Komplementärmedizin: Wie bei der Zahnversicherung werden die Leistungen auch bei den Natura-Zusatzversicherungen durch Beschränkungen oder hohe Kostenbeteiligungen stark eingeschränkt, sodass der Therapeut ebenso gut aus dem eigenen Sack bezahlt werden kann. Die Kassen decken unterschiedliche Komplementärtherapien und akzeptieren nicht dieselben Therapeuten. Die Prämien sind nicht sehr hoch; die Leistungen auch nicht.
  • UTI (Unfall-Tod-Invalidität): Für Erwachsene oft unnötig; für jedes Kind ein wichtiger Versicherungsschutz: Die Versicherung zahlt bei unfallbedingtem Tod oder Invalidität ein Kapital. Noch besser ist, wenn neben der unfallbedingten auch die krankheitsbedingte Invalidität versichert ist.
  • Taggeld: Ein wichtiger Versicherungsschutz, sofern man nicht via Arbeitgeber kollektivversichert ist. Allerdings ist die Versicherung sehr teuer. Prämien können gespart werden, indem die Wartefrist verlängert wird.
  • Reisezusatzversicherung: Die Krankenversicherer sind für Reiseversicherungen nicht die erste Adresse.

 

Aufgepasst: Es gibt Krankenkassen, welche bei den Zusatzversicherungen mehrjährige Verträge kennen. Solche kann man unter Umständen noch nicht künden. Doch langfristige Verträge sind im Krankenversicherungsgeschäft eh zu meiden.

 

Erschienen in der BZ am 15. September 2009

Claude Chatelain