SBB-Crew muss länger arbeiten

Die Pensionskasse SBB will nun doch nicht warten, bis das Parlament über allfällige Sanierungsbeiträge entscheidet. Sie hat gestern bekannt gegeben, wie weit die SBB-Angestellten an die Sanierung beitragen sollen.

Der Pensionskasse SBB fehlen rund drei Milliarden Franken. Im April vergangenen Jahres forderte SBB-Chef Andreas Meyer in einem Interview, dass der Steuerzahler dieses Loch stopfen müsse. Mittlerweile haben die Politiker aber klar gemacht, dass der Steuerzahler höchstens einen Teil der Sanierungskosten berappe; auch die SBB und ihre Mitarbeiter müssten ihren Beitrag leisten. Wie dieser Tribut aussieht, hat die SBB gestern mitgeteilt:

 

  • Sanierungsbeiträge von Arbeitgeber und Arbeitnehmern von je 2,5 Prozent;
  • Verzicht auf Verzinsung des Altersguthabens 2009;
  • Verzinsung der Altersguthaben ab 2010 bis voraussichtlich 2019 mit dem jeweils vom Bundesrat festgelegten BVG-Mindestzinssatz;
  • Verzicht der Rentenbezüger auf den Teuerungsausgleich während der ganzen Sanierungsperiode;
  • Erhöhung des Rentenzielalters von 63,5 auf 65 Jahre;
  • Sanierungsbeitrag der SBB von 953 Millionen Franken.

 

«Ausgewogener Plan»

 

Der Sanierungsplan basiert auf der Annahme, dass auch der Steuerzahler noch tüchtig zur Kasse gebeten wird – nämlich mit 1,148 Milliarden Franken. Dies ist der Betrag, den der Bundesrat dem Parlament als Sanierungsbeitrag vorschlägt. Ob das Parlament diesen hohen Betrag sprechen wird, ist aber alles andere als sicher. «Der Sanierungsplan erachte ich als ausgewogen», meint Pensionskassen-Experte Martin Schnider von Abcon in Bern. Fraglich findet er allerdings die Einschränkung, wonach das Alterskapital ab 2010 mit dem jeweiligen Mindestzins zu verzinsen sei. «Damit verbaut sich die Kasse ein bedeutendes Sparpotenzial», sagt Schnider. Möglich wären auch Nullverzinsungen, wie das fürs laufende Jahr vorgesehen ist. Damit liessen sich um die 100 Millionen Franken pro Jahr einsparen.

 

Was ist mit den Rentnern?

 

Nach Angaben von Martin Schnider wäre es auf Grund der Struktur der Pensionskasse SBB für die Sanierung hilfreich, wenn auch Rentnerinnen und Rentner ihren Beitrag an die Sanierung leisten könnten, wie das erst kürzlich der Maschinenbauer Georg Fischer aus Schaffhausen vorgemacht hat. Doch laut Rudolf Stampfli, Geschäftsführer der Pensionskasse SBB, besteht aus gesetzlichen Gründen keine Möglichkeit, die Rentner zur Kasse zu bitten.

 

Selbst Transfair lobt

 

Transfair, die Gewerkschaft für öffentlichen Verkehr und öffentliche Verwaltung, lobt den Sanierungsplan: «Die SBB hat richtig reagiert, der Verwaltungsratsentscheid ist durchaus erfreulich. Aber die Sanierungsmassnahmen sind für die Versicherten trotzdem sehr schmerzhaft».

 

Für das grosse Finanzloch macht die SBB den Bund mitverantwortlich. «Die Deckungslücke ist teilweise auf Verpflichtungen zurückzuführen, welche wir auf Grund alter Reglemente und Bestimmungen übernehmen mussten», erklärte Geschäftsführer Rudolf Stampfli.

 

Als weitere Ursache wird auf die ungenügende Ausfinanzierung bei deren Gründung im Jahr 1999 verwiesen. In der Tat wurde die Pensionskasse SBB ohne Wertschwankungsreserven in die Freiheit entlassen. Doch Pensionskassenexperten machen geltend, eine Vorsorgeeinrichtung mit einem Deckungsgrad von 100 Prozent sei voll ausfinanziert. Wichtig sei lediglich, dass eine entsprechend konservative Anlagestrategie gefahren werde. Genau das hat aber die Pensionskasse SBB offensichtlich nicht gemacht: «Just in den Jahren der Börsenhausse investierte die Kasse 30 Prozent in Aktien», schreibt Werner C.Hug in AWP, der Fachzeitschrift für Sozialversicherung, Privatassekuranz und Soziale Sicherheit. Erst mit dem Börseneinbruch sei der Aktienanteil zurückgenommen worden. Im Verhältnis zu ihrer Risikofähigkeit ist also die Pensionskasse SBB nach ihrer Gründung eine viel zu aggressive Strategie gefahren. Entsprechend hoch waren die Börsenverluste.

 

Erschienen in der BZ am 10. September 2009

Claude Chatelain