Hotels zum Träumen: La Claustra, Airolo

Das Restaurant im Bunker.
Das Restaurant im Bunker.

Bunker wollen getarnt sein. Das liegt in der Natur der Sache. Offenbar gilt dies auch für Hotels, die in ausgedienten Festungsanlagen Gäste beherbergen. Man muss wissen, dass man sechs Kilometer nach dem Kreisel in Hospental rechts auf die alte Gotthardstrecke abbiegen muss, um das «Claustra» zu finden. Kein Wegweiser bringt den Gast auf die Spur.

Der Hotelname lässt darauf schliessen, die Luxusherberge sei nichts für Klaustrophobe. Doch gemäss Prospekt leitet sich Claustra vom Begriff «Kloster» ab: «Klöster sind von jeher Orte der Reflexion und der Erkenntnis.» So will das ehemalige Reduit der Schweizer Armee als ein «tief im Herzen des Berges pulsierendes, nachmodernes Kloster» verstanden sein. Geistiger Vater ist der in der Region bekannte Künstler Jean Odermatt. Dass die zu einem Hotel umfunktionierte Festung die Handschrift eines Künstlers trägt, ist an Einrichtung und Beleuchtung leicht zu erkennen.

 

Freiwillig in einem Bunker zu übernachten und dafür noch viel Geld zu bezahlen tönt zumindest für ehemalige Wehrmänner derart abstrus, dass es schon wieder verlockend ist. Doch zum Essen gibt es weder «Spatz», Konservenfleisch noch SMP (Schokolademilchpulver). «Ihr Verweilen in La Claustra soll auch gastronomisch ein Höhepunkt sein», steht im Prospekt. Eine Aussage, die keineswegs übertrieben ist: Der Fünfgänger ist qualitativ, farblich, geschmacklich und in der Präsentation einwandfrei.

Gut getarntes Hotel.
Gut getarntes Hotel.

Nur gerade 17 Zimmer stehen zur Verfügung. Angeblich sind sie «individuell gestaltet». Ein Augenschein lässt jedoch eher auf Konformität denn Individualität schliessen. Sie haben nichts zu viel, sind karg eingerichtet, wie Offizierskabinen eben waren. Fliessendes Wasser gibt es im Zimmer. Doch Dusche und Toilette sind mit den anderen Bunkergästen zu teilen. Ein konventionelles Hotel würde schreiben: Toilette und Dusche auf der Etage.

 

Die Originalität dieses einzigartigen Hotels hat ihren Preis: Gerade mal 650 Franken kostet ein Doppelzimmer mit Halbpension für zwei Personen. Möchte man zudem mangels Alternativen im Dampfbad schwitzen, kommen 90 Franken dazu. Preise, die weder das kulinarisch Angebotene noch die Originalität, noch die Abgeschiedenheit auf 2050 Metern über dem Meer zu rechtfertigen vermögen.

 

Apropos Originalität: Die Zimmer dürfen nicht abgeschlossen werden. So will es offenbar die Hotelphilosophie. Das ist nicht jedermanns und vor allen nicht jederfraus Sache. Je nach dem, auf was für andere Gäste man im Berginneren trifft, riskiert das Hotel zum Träumen mit ungeschlossenen Zimmern ein Hotel zum Albträumen zu werden.

 

La Claustra, Airolo (091 8805055, www.claustra.ch). Doppelzimmer ab Fr. 245.– (inkl. Frühstück) pro Person. Mit HP ab Fr.325.–. Benutzung der Well-being-Anlage Fr. 45.–.

 

Erschienen in der BZ am 21. August 2009

Claude Chatelain