Vierte Säule: Was nützt ein guter Lohn, wenn die Pensionskasse schlecht ist?

«Bekanntlich steht es mit den Pensionskassen in der Schweiz nicht überall zum Besten. Und wenn man die Medienberichterstattung zum Massstab nimmt, sieht es zum Teil verheerend aus.

Doch insgesamt hat die gegenwärtige Krise der Pensionskassen auch ihr Gutes: Viele merken nun, wie wichtig die Vorsorgeeinrichtung auch wirklich ist. Und viele merken auch, dass der Unterschied zwischen einer grosszügigen Pensionskasse und einer, die minimale Beiträge versichert, enorme Ausmasse annehmen kann.

 

Eine Pensionskasse mit durchschnittlichen Leistungen versichert eine Altersrente von 60 Prozent des versicherten Lohns. Bei einem Jahreseinkommen von 80000 Franken könnte man also mit einer Rente von 33636 Franken rechnen, 2803 Franken im Monat. Doch die gut 400000 Schweizerinnen und Schweizer, die nur gemäss dem gesetzlichen Minimum laut BVG versichert sind, kämen beim gleichen Jahreseinkommen auf eine Monatsrente von 1682 Franken; ein Drittel weniger.

 

Ich möchte behaupten, dass sich Bahnangestellte über die Bedeutung von Pensionskassen im Klaren sind, haben doch die meisten unter ihnen Sanierungsbeiträge zu leisten. Doch beim Gros der übrigen Angestellten zweifle ich, ob sie beim Anstellungsgespräch oder beim Stellenwechsel ihrer neuen Vorsorgesituation die gebührende Aufmerksamkeit schenken.

 

Gleichzeitig stelle ich fest, dass auch Personalverantwortliche häufig auf entsprechende Fragen zur Pensionskasse überfordert sind. Man verhandelt über Lohn, Ferien und allenfalls Spesenentschädigung. Wie sieht aber die PK-Lösung aus? Lässt sich der Bewerber einen Versicherungsausweis besorgen, um seine Vorsorge unter die Lupe zu nehmen?

 

Kürzlich hat mir ein Bekannter erleichtert erzählt, dass er nun eine neue Stelle gefunden habe. Ein Wermutstropfen bestehe aber darin, dass er pro Monat 150 Franken weniger verdiene als vorher.

Ich fragte ihn, wie denn die jetzige Pensionskassenlösung im Vergleich zur früheren aussehe. Der Mann hatte keine Ahnung. Und da musste ich mir sagen: Der Mann hat wirklich keine Ahnung.

 

Erschienen in der BZ am 18. August 2009

Claude Chatelain