Filmregisseur Steiner erhält eine Gnadenfrist

Verschnaufpause für Filmregisseur Michael Steiner: Das auf Donnerstag anberaumte Konkursverfahren gegen seine Produktionsfirma scheint abgewendet. Doch die Rettung von «Sennentuntschi» bleibt ungewiss.

Mit «Grounding» und «Mein Name ist Eugen» hat Filmregisseur Michael Steiner nationale Berühmtheit erlangt. Mit «Sennentuntschi» sind ihm nun ein drittes Mal dicke Schlagzeilen gewiss – wenn auch unrühmliche. Seine Produktionsfirma Kontraproduktion steckt in argen Finanznöten, wie seit Februar bekannt ist. Es fehlen über 2 Millionen Franken. Crewmitglieder und Zulieferer warten auf Geld. Gilles Tschudi, Präsident des Berufsverbands der professionellen Filmschaffenden SSFV, soll allein für 15 Crewmitglieder 217000 Franken fordern – ausgerechnet Tschudi, der in Steiners Film «Grounding» den «bösen» Marcel Ospel spielte.

 

Bund will Geld zurück

 

Geld will unter anderen auch die Eidgenossenschaft. Das Bundesamt für Kultur (BAK) hat für «Sennentuntschi» eine Million Franken gesprochen, davon wurden 95 Prozent bereits ausbezahlt. «Herr Steiner hat unsere juristischen Rahmenbedingungen nicht erfüllt, deshalb wollen wir das Geld zurück», erklärt Filmchef Nicolas Bideau. Ausserdem hat die Zürcher Filmstiftung 600000 und die SRG 300000 Franken an Fördergeldern bezahlt.

 

Nun wurde auf Donnerstag kommender Woche eine Gerichtsverhandlung anberaumt. «Ausgerechnet ein Sargbauer wird zum Sargnagel», schrieb die Zeitung «Sonntag». Der Sarghersteller Andreas Egli aus Beromünster, der für die Alpensaga einen Sarg lieferte, hat ein Begehren auf Konkurseröffnung gestellt. Der geschuldete Betrag beläuft sich laut Steiner auf wenige 100 Franken. Steiner könnte diesen Betrag sehr wohl aus dem eigenen Sack bezahlen. Doch dann kämen die anderen Gläubiger und würden sagen: «Warum er? Warum nicht ich?»

 

Konkurs abgewendet


Wie es scheint, hat nun ein Dritter dem Sarghersteller die offene Rechnung bezahlt. So wird die Gläubigerbevorzugung umgangen und zweitens das Konkursbegehren zurückgezogen. Egli sagte auf Anfrage: «Für mich ist die Sache erledigt.»

 

Immer noch nicht restlos geklärt ist, wie und warum genau es zum finanziellen Fiasko gekommen ist. Laut Steiner ist die Liquiditätskrise auf zwei Gründe zurückzuführen: Zum einen hat es der inzwischen geschasste Geschäftsführer Bruno Seemann nicht geschafft, die bei Filmproduktionen üblichen Zwischenfinanzierungen zu bewerkstelligen. Solche sind nötig, weil die Dreharbeiten rund 80 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Ein Teil der versprochenen Gelder fliesst jedoch erst bei Fertigstellung des Films.

 

Ohne Frankreich


Der zweite Grund liegt laut Steiner darin, dass die geplante Co-Produktion mit der französischen Produktionsfirma Avventura von Ruth Waldburger nicht zu Stande gekommen ist. Würde «Sennentuntschi» als schweizerisch-französische Co-Produktion laufen, könnte mit zusätzlichen Geldern gerechnet werden.

 

Im Gespräch mit anderen Exponenten der Branche werden noch ganz andere Gründe genannt. Generell werden Zweifel an Steiners kaufmännischer Sorgfaltspflicht geäussert. Rudolf Santschi vom Filmproduzentenverband SFP erinnert daran, dass Michael Steiner schon bei «Mein Name ist Eugen» das Budget überzogen hat. Und Steiner selber sagte gegenüber dem «Tages-Anzeiger»: «Seemann hat die Gelder hinter unserem Rücken verjubelt.»

 

Film oder Firma?


Seit Monaten brüten nun die Beteiligten über dem Rettungsplan – ohne Erfolg. Uneins sind sie sich, was überhaupt zu retten ist: die Produktionsfirma oder der Film «Sennentuntschi». Steiner möchte den Konkurs seiner Firma abwenden. Bei einem Konkurs verlöre er sämtliche Rechte, welche noch seiner Firma gehören.

 

Die SRG und die Zürcher Filmstiftung (SF) wollen mithelfen, den Film zu retten, nicht aber die Firma: «SRG und SF haben alle Lösungsvorschläge abgelehnt, die eine Rettung der Firma Kontraproduktion zum Ziel hatten», schreibt die SRG in einer Stellungnahme.

 

Wie Michael Steiner nun erklärt, sei der Sanierungsplan bereit. Die meisten Gläubiger hätten ihm zugestimmt. Danach erhielten sie 50 bis 80 Prozent der Forderungen. «Doch wichtige Geldgeber wie das Schweizer Fernsehen, die Zürcher Filmstiftung und der Co-Produzent Turnus Film konnten noch nicht von diesem Plan überzeugt werden.»

 

Erschienen in der BZ am 8. August 2009

Claude Chatelain