Schiro präsentiert 26. Plus in Folge

James Schiro wird als äusserst erfolgreicher CEO in die Geschichte der "Zürich" eingehen.
James Schiro wird als äusserst erfolgreicher CEO in die Geschichte der "Zürich" eingehen.

Die Welt steckt in einer der grössten Finanzkrisen der Geschichte. Und doch schafft es die «Zürich», stolze Gewinne zu präsentieren. Zu verdanken ist dies im Wesentlichen James Schiro. Sein Nachfolger heisst Martin Senn.

UBS, Credit Suisse, Swiss Re – all die grossen global tätigen Finanzkonzerne mit Hauptsitz in der Schweiz mussten als Folge der Finanzkrise rote Quartalszahlen ausweisen. Mit einer löblichen Ausnahme: die Zurich Financial Services Group. Der Versicherungskonzern hat gestern zum 26.Mal in Folge ein positives Quartalsergebnis präsentiert. Für das erste Halbjahr 2009 beträgt der Reingewinn 1,3 Milliarden Dollar, wobei allein 900 Millionen auf das zweite Quartal fallen.

 

Zugegeben: Auch Baloise vermochte bisher der Finanzkrise zu trotzen, wobei der Versicherer am Rheinknie punkto Grösse und globaler Ausrichtung in einer anderen Liga spielt als die «Zürich».

 

James Schiro sei Dank

 

Der Ursprung dieses Resultats hat einen Namen: James J.Schiro. Sein Lieblingswort an der gestrigen Präsentation der Semesterzahlen: «Outstanding results». Gleich dreimal sprach er von herausragenden Resultaten, was in der Tat nicht übertrieben zu sein scheint.

 

Disziplin grossgeschrieben

 

Der 63-jährige Amerikaner leitet seit Mai 2002 die Geschicke der «Zürich». Er leitet sie unaufgeregt und mit grosser Disziplin. Disziplin bedeutet, so der Finanzchef Dieter Wemmer im Gespräch, dass man keinen Modeströmen aufsitzt und den langfristig eingeschlagenen Weg konsequent, konservativ und mit der gebotenen Vorsicht einschlägt. «Ich sehe es positiv, dass Zürich nie eine Grossakquisition getätigt und Disziplin gezeigt hat», sagt denn auch Stefan Schürmann, Analyst bei der Bank Vontobel.

 

Was für ein Unterschied zur Politik des erfolglosen Blenders Rolf Hüppi, der in den Neunzigerjahren mit blinder Akquisitionswut den ehedem so stolzen Versicherungskonzern an den Rand des Ruins manövrierte. Er tat dies in Personalunion als Konzernchef und Verwaltungsratspräsident. Die Quittung für Hüppis Politik war ein Kurssturz der Zürich-Aktie von 731 Franken auf 87 Franken. Gestern betrug der Schlusskurs 218,5 Franken, plus 1,2 Prozent.

 

So werden manche bedauern, dass James J.Schiro auf Ende 2009 zurücktreten wird, wie er im Februar bekannt gegeben hatte. Eigentlich hatten viele erwartet, die «Zürich» würde die gestrige Medienkonferenz zum Anlass nehmen, Schiros Nachfolger bekannt zu geben. «Wieso ist es so schwierig, einen Nachfolger zu finden?» Diese Frage blieb gestern Vormittag unbeantwortet. «Wir kommunizieren, sobald der Entscheid gefällt ist», sagte Sprecherin Tatjana Domke lediglich.

 

Senn statt Lehmann

 

Nach Börsenschluss am Abend war es dann überraschenderweise so weit: Nicht der Risikochef Axel P.Lehmann wird Schiros Nachfolger, wie im Vorfeld vermutet wurde, sondern Martin Senn. Somit wird wieder ein Schweizer oberster Chef der «Zürich». Der 52-jährige Basler war bis anhin Anlagechef. Dass also die Zurich Financial Group derart souverän der Finanzkrise zu trotzen vermochte, ist sicherlich auch das Verdienst von Senn. Sein Leistungsausweis könnte den Verwaltungsrat dazu bewogen haben, Martin Senn den anderen Mitfavoriten vorgezogen zu haben.

 

Bevor Martin Senn 2006 zur Zürich stiess, wirkte er im Topmanagement von Swiss Life, der Credit Suisse und des damaligen Bankvereins. Senn schloss eine Bankausbildung an der Handelsschule Basel ab und absolvierte Managementprogramme in Fontainebleau und an der Harvard Business School.

 

Erschienen in der BZ am 7. August 2009

Claude Chatelain