Rauchen kann sich auszahlen

Mehr als ein Monat ist vergangen, seit Raucherinnen und Raucher aus den Gastronomiebetrieben im Kanton Bern verbannt wurden. Neulich darf man selbst in der Türkei, wo doch die Einwohner rauchen wie die Türken, in Restaurants nicht mehr rauchen. Damit hält der Siegeszug gegen die Rauchergemeinde an. Als Rechtfertigung dieser Hetzjagd werden mitunter die Kosten ins Feld geführt. «Rauchen verursacht nach wie vor die meisten vermeidbaren Todesfälle in der Schweiz», steht in einer aktuellen Studie des Bundesamts für Statistik.

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Aus dieser Studie mit dem Titel «Tabakbedingte Todesfälle in der Schweiz» geht unter anderem hervor, dass in der Schweiz jährlich über 9000 Personen an den Folgen des Rauchens sterben. Das sind 15 Prozent aller Todesfälle. Je 41 Prozent entfielen auf Herzkreislaufkrankheiten oder Krebs, inklusive Lungenkrebs. Die restlichen 18 Prozent sind auf Lungenkrankheiten ohne Lungenkrebs zurückzuführen. Gemäss einer anderen Studie der Universität von Helsinki leben Raucher im Schnitt sieben bis zehn Jahre weniger lang als Nichtraucher.

 

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Was nun die Raucher die Volkswirtschaft im Allgemeinen und die Sozialversicherungen im Besonderen kosten, lässt sich offenbar kaum abschätzen. Die Website des Bundesamts für Gesundheit (BAG) ist zwar vollgestopft mit Informationen über das Konsumverhalten von Rauchenden, das Passivrauchen, Präventionsprogramme oder tabakbedingte Todesfälle. Nur über die Kosten des Tabakkonsums ist kaum etwas in Erfahrung zu bringen. Die einzigen Schätzungen gehen auf das Jahr 1995 zurück und sind daher heute kaum mehr brauchbar.

 

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Die Kosten sind das eine, die Einsparungen etwas anderes. Durch die Tatsache, dass Raucher bis zu zehn Jahre weniger lang die Dienste von Sozialversicherungen beanspruchen, können die schuldengeplagten Sozialwerke jährlich Millionen von Franken sparen.

 

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Die durchschnittliche AHV-Rente beläuft sich derzeit auf 22992 Franken im Jahr. Hinzu kommen die Renten der beruflichen Vorsorge. Gemäss der Schweizerischen Sozialversicherungsstatistik beliefen sich 2006 die jährlichen durchschnittlichen Altersrenten der Pensionskassen auf 30522 Franken. Ein Rentner belastet also die Sozialwerke im Schnitt mit 53514 Franken im Jahr.

 

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Geht man nun davon aus, dass Raucherinnen und Raucher gemäss der Helsinki-Studie im Schnitt sieben bis zehn Jahre weniger lang leben als Nichtraucher, sparen die Schweizerischen Sozialversicherungen pro Raucher 374598 bis 535140 Franken. Eine Chemotherapie, dies nur zum Vergleich, kostet um die 100000 Franken.

 

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Gewiss, man könnte noch die Kosten für den Erwerbsausfall ins Feld führen. Auf der anderen Seite verdient der Fiskus jährlich über 2 Milliarden Franken mit Tabaksteuern.

 

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Dass den Raucherinnen und Rauchern der Garaus gemacht wird, ist gut für die Gesundheit und damit für die Langlebigkeit, weniger gut aber für die Sozialwerke.

 

Erschienen in der BZ am 5. August 2009

Claude Chatelain