Vierte Säule: Ein Gespräch unter Kollegen

«Hast Du kurz Zeit?», fragte mich kürzlich ein deutlich jüngerer Kollege. «Ja», sagte ich leider. Hier das stark gekürzte Gespräch.

ER: Was hältst Du vom Finanzberatungsinstitut XY? (Name abgeändert)

ICH: Die Beratung beim XY ist sicher besser als bei einer Bank, aber relativ teuer.

 

ER: Ich bin mit meiner Bank nicht zufrieden. Sie verkaufte mir bloss ihre eigenen Fonds.

ICH: Typisch.

 

ER: Das XY hat keine eigenen Fonds. Dort würden mir die besten Fonds empfohlen.

ICH: Welches sind denn die besten Anlagefonds?

 

ER: Keine Ahnung. Das XY weiss das sicher.

ICH: Vergiss es. Die besten Fonds sind jene, welche analog eines Börsenindexes investieren und daher nur geringe Kosten verursachen. Man nennt sie ETF.

 

ER: Aber ist denn die Beratung von XY nicht gut?

ICH: Doch, aber teuer. Junge Leute wie Du brauchen keine kostspielige Beratung.

 

ER: Das XY hat aber einen guten Ruf.

ICH:  XY ist gut für betuchte Leute, welche ihre Vorsorge planen. Du aber kaufst ETF – und zwar elektronisch. Ich helfe Dir dabei.

 

ER: Elektronisch mache ich nichts. Ich traue dem nicht.

ICH: Selber schuld. So erteilst Du der Bank die Börsenaufträge halt telefonisch. Das ist zwar teurer, aber immer noch günstiger als beim XY.

 

ER: Aber ich will nicht immer die Börsenkurse verfolgen.

ICH: Brauchst Du auch nicht. Du kaufst ETF und lässt sie liegen. Hin und Her macht Taschen leer.

 

ER: Aber das XY weiss doch besser, welche Fonds die besten sind?

ICH: Weisst Du was? Gehe doch zum XY. Schliesslich muss man sich wohl fühlen. Das hat seinen Preis.

 

ER: Aber ich will nicht über den Tisch gezogen werden.

ICH: Also dann machst Du das, was ich Dir eben empfohlen habe.

 

ER: Ich möchte aber nichts damit zu tun haben.

ICH: Du kaufst einmal die Fondsanteile oder Du errichtest einen Fondssparplan. Etwas Besseres gibt es nicht.

 

ER: Aber was ist, wenn ich das Geld plötzlich brauche?

ICH: Geld, das kurzfristig verfügbar sein muss, sollte man nicht investieren. Das wird Dir das XY auch sagen.

 

ER: Aber was ist, wenn ich das Geld doch nicht brauche?

ICH: Hattest Du nicht gesagt, Du wolltest mich nur kurz stören? Ich korrigiere mich: Gehe zum XY. Etwas Besseres gibt es in Deinem Fall wirklich nicht.

 

Erschienen in der BZ am 4. August 2009

Claude Chatelain