Sparen mit Säule 3a ist 1a

Um Steuern zu sparen, sollte man nicht nur ein Konto 3a eröffnen, sondern mehrere. Und man sollte das Geld gestaffelt beziehen. Ein Tipp, der womöglich nicht immer gelten wird.

Das gebundene Sparen 3a ist äussert beliebt. Beliebt vor allem deshalb, weil man damit Steuern sparen kann. Noch mehr Steuern kann man einsparen, indem gleich mehrere Konti 3a eröffnet werden und ab Alter 60 jedes Jahr eines dieser Konti aufgelöst wird. Der Grund: Beim Bezug des Kontos 3a ist eine Kapitalauszahlungssteuer zu bezahlen, die unabhängig des übrigen Einkommens erhoben wird. Doch der Satz dieser Steuer ist progressiv. Lässt man sich also das Vorsorgekapital zeitlich gestaffelt auszahlen, wird die Progression gebrochen. Das heisst, man kommt in den Genuss eines tieferen Steuersatzes.

 

Nun kann man sich ab Alter 60 nicht Teile eines Kontos 3a auszahlen lassen, sondern nur alles oder nichts. Deshalb ist es ratsam, bis zu fünf solcher Konti zu führen und zwischen dem 60. und 65.Altersjahr jedes Jahr eines davon aufzulösen. Mit diesem Vorgehen wird die Progression gebrochen.

 

Beträchtliches Ersparnis

 

Was sich auf diesem Wege einsparen lässt, ist beträchtlich: (Tabelle). Ein Steuerzahler der Stadt Freiburg spart 14344 Franken Steuern, wenn er sein Kapital von 250000 Franken in fünf Tranchen statt auf einen Schlag bezieht. In Bern ist die Progression weniger ausgeprägt, aber immer noch gross genug. Überhaupt keine Progression kennt der Thurgau: Dort gilt ein einheitlicher Steuersatz.

 

Das Gesagte gilt nicht nur für die dritte, sondern auch für die zweite Säule der beruflichen Vorsorge. Unklug wäre es, das Konto 3a im gleichen Jahr aufzulösen, in welchem das Pensionskassenkapital ausbezahlt wird.

 

Wie lange noch?

 

Schliesslich stellt sich die Frage, ob die Kantone auch in Zukunft den gestaffelten Bezug und das dadurch erwirkte Brechen der Progression tolerieren werden. Es kommen nämlich immer wieder Gerüchte auf, gewisse Kantone würden den gestaffelten Bezug als Steuerumgehung taxieren. Was sagen Bern und Solothurn dazu?

 

«Werden Säule-3a-Konti in verschiedenen Jahren aufgelöst, gibt es weiterhin keine Zusammenrechnung für die Satzbestimmung», heisst es etwa bei der Steuerverwaltung des Kantons Bern.

 

In Solothurn ist die Antwort nicht so klar: «Der jährliche, gestaffelte Bezug der Altersleistungen von mehreren Konti der Säule 3a hat wirtschaftlich und vorsorgerechtlich in der Regel keinen Sinn, sondern ist bloss steuerlich motiviert,» erklärt Theo Portmann, Leiter Recht und Gesetzgebung. Ein solches Vorgehen sei deshalb als Steuerumgehung zu qualifizieren.

 

INFOTHEK: Die drei Säulen in der Schweiz

Die Altersvorsorge in der Schweiz beruht auf drei Säulen: Die erste Säule ist die staatliche Vorsorge, die AHV. Die zweite Säule ist die berufliche Vorsorge und die dritte Säule die freiwillige Vorsorge. Letztere teilt sich in die freiwillige Säule 3b und in die gebundene und steuerlich begünstigte Säule 3a. Einzahlungen in die Säule 3a können bis zu bestimmten Höchstbeträgen vom steuerbaren Einkommen in Abzug gebracht werden. Dafür ist beim Bezug

eine einmalige Kapitalauszahlungssteuer zu entrichten. Arbeitnehmer, die einer Pensionskasse angeschlossen sind, können derzeit pro Jahr 6566 Franken aufs Konto 3a überweisen und vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen. Das Geld kann – von Ausnahmen abgesehen – frühestens fünfJahre vor dem AHV-Alter bezogen werden.

 

Erschienen in der BZ am 21. Juli 2009


Claude Chatelain