Vierte Säule: Wie unabhängig ist der AWD?

«AWD – Ihr unabhängiger Finanzoptimierer». So steht es auf der Homepage des Finanzvermittlers aus Zug, der Schweizer Tochter von AWD Deutschland, die ihrerseits seit 2007 dem Schweizer Lebensversicherer Swiss Life gehört.

In der Schweiz scheint diese fragwürdige Werbebotschaft kein Problem zu sein; in Deutschland hingegen schon. So hat das Landgericht Hannover entschieden, AWD dürfe nicht mit dem Begriff «Unabhängig» werben. Der Finanzvertrieb gehöre einer Lebensversicherungsgesellschaft und sei daher nicht unabhängig.

 

AWD stellt sich auf den Standpunkt, sehr wohl unabhängig zu sein, könne doch der Kunde aus einer Produktepalette wählen, hinter welcher 300 Partnerfirmen steckten.

 

Unabhängig oder nicht? Das ist in der Tat keine Begriffsklauberei. Der Kunde muss wissen, wie unabhängig ein Finanzmakler wirklich ist. Dass sich eine breite Palette unterschiedlichster Produktelieferanten im Sortiment befindet, ist dabei unerheblich. Auch bei den Banken könnte man aus einer breiten Palette wählen – und doch wird niemand im Ernst behaupten, der Bankberater sei unabhängig. Tatsache ist, dass die Banken vorab ihre eigenen Anlagefonds verkaufen, selbst wenn die Fonds der Konkurrenz besser sind.

 

Als unabhängig bezeichnen sich jene Vermittler, welche über keine eigenen Produkte verfügen. Aber auch diese Definition greift zu kurz. Jahrelang verkaufte AWD vor allem Lebensversicherungen aus der Generali-Küche. Angeblich, weil diese die besten Garantien und höchsten Renditen versprechen würden. Doch der wahre Grund war ein anderer: Generali zahlte höhere Provisionen als die Konkurrenz.

 

All die Finanzberater und Versicherungsmakler, welche von der Verkaufsprovision leben, sollten sich nicht als unabhängig bezeichnen dürfen, ohne rot zu werden. Die Anbieter zahlen unterschiedlich hohe Provisionen. Damit ist die Unabhängigkeit nicht gegeben.

 

Wirklich unabhängig sind nur jene Finanzberater, die für ihren Arbeitsaufwand Rechnung stellen und die Verkaufsprovisionen zu hundert Prozent dem Kunden zurückerstatten. Solche sind hier zu Lande leider dünn gesät.

 

Erschienen in der BZ a 14. Juli 2012

Claude Chatelain