Frührentner müssen auch zahlen

Mit der einen Hand AHV-Rente beziehen, mit der anderen Hand trotzdem AHV-Beiträge bezahlen. Auf den ersten Blick mag das kurios tönen – aber nur auf den ersten Blick.

Auch Nichterwerbstätige erhalten im Alter eine AHV-Rente. Nichts wie logisch, dass sie auch AHV-Beiträge bezahlen müssen. Die Beitragspflicht Nichterwerbstätiger beginnt am 1.Januar nach Vollendung des 20.Altersjahrs und endet, wenn das ordentliche Rentenalter erreicht ist. Bei Männern beträgt dies 65 Jahre; bei Frauen immer noch 64 Jahre. Das heisst, auch wer zum Beispiel bereits mit Alter 63 eine gekürzte AHV-Rente vorbezieht, muss bis zum ordentlichen AHV-Alter Beiträge bezahlen. So will es die Solidarität.

 

Abhängig vom Lohn

 

Bei Erwerbstätigen ist die Höhe der AHV-Beiträge abhängig vom Lohn. Derzeit wird bei Arbeitnehmern 10,1 Prozent des Bruttolohns der AHV überwiesen, wobei dem Arbeitnehmer nur die Hälfte davon vom Lohn abgezogen wird, nämlich 5,05 Prozent. Die andere Hälfte zahlt der Arbeitgeber. Drängt sich somit die Frage auf, wie bei Nichterwerbstätigen die Höhe der Beiträge berechnet wird, wenn sie ja kein Lohneinkommen aufweisen.

 

Abhängig vom Vermögen

 

Nun, die Beiträge werden mit einer Beitragstabelle auf Grund des Vermögens und des jährlichen Renteneinkommen berechnet, wobei AHV- und IV-Renten nicht zum Renteneinkommen gehören, die Renten aus der Pensionskasse hingegen schon. Dabei muss das Renteneinkommen mit 20 multipliziert und mit dem Vermögenswert addiert werden. Liegt die Summe unter 300000 Franken, so schuldet der Nichterwerbstätige das Minimum, nämlich zurzeit bloss 460 Franken im Jahr. Liegt die Summe darüber, muss man die Beitragstabelle zur Hand nehmen, um die Höhe der AHV-Beiträge eruieren zu können.

 

Einfaches Beispiel: Ein Frührentner bekommt von seiner Pensionskasse eine jährliche Rente von 60000 Franken, multipliziert mit 20 sind 1,2 Millionen Franken, plus sein Vermögen von – sagen wir – 300000 Franken gibt eine Summe von 1,5 Millionen. Der Betrag, der der AHV geschuldet wird, beträgt laut Berechnungstabelle 2929 Franken im Jahr. Der Maximalbetrag beläuft sich auf 10100 Franken pro Jahr.

 

Solidarität in der Familie

 

Glücklich schätzt sich der Frührentner gemäss unserem Beispiel, wenn seine Ehefrau einer Erwerbstätigkeit nachgeht und Beiträge von zurzeit mindestens 920 Franken entrichtet. Hier wäre der Frührentner von der Beitragspflicht befreit. Diese 920 Franken entsprechen übrigens dem doppelten Mindestbetrag.

 

Wie oben gesagt: Nicht alles zählt zum Renteneinkommen, was landauf, landab als Renteneinkommen verstanden wird. Nicht zum Renteneinkommen gehören:

  • Leistungen der AHV und IV
  • Ergänzungsleistungen der AHV und IV;
  • Vermögenserträge;
  • gesetzliche Unterhalts- und Unterstützungsbeiträge von Familienangehörigen;
  • Kinderrenten, sofern die Kinder einen eigenen Anspruch haben wie etwa beim UVG.

 

Stipendien sind Renten

 

Zum Renteneinkommen hingegen gehören:

  • Renten und Pensionen aller Art – eben ausser AHV- und IV-Renten;
  • Unterhaltsbeiträge des geschiedenen Ehepartners, ausgenommen jene für Kinder;
  • Kinderrenten, auf welche die Kinder keinen eigenen Anspruch haben wie beim BVG;
  • Taggelder von Kranken- und Unfallversicherungen;
  • Stipendien und ähnliche Zuwendungen;
  • Mietwert der unentgeltlich zur Verfügung gestellten Wohnung
  • regelmässige Zuwendungen Dritter;
  • Überbrückungsrenten der beruflichen Vorsorge;
  • Erwerbseinkommen des Ehepartners, welches nicht der Beitragspflicht der AHV unterliegt.

 

Wie ist das nun mit der ordentlichen AHV ab Alter 65, wenn der Frührentner seine AHV-Rente vorbezogen hat und nun weiter AHV-Beiträge einzahlt? Wird er ab Alter 65 dank seiner Beiträge in den Genuss einer höheren Rente kommen? Die Antwort lautet: nein. Die Beiträge, welche Bezüger von AHV-Renten noch bis zum ordentlichen AHV-Alter einzahlen, sind nicht «rentenbildend». Dies mag für manchen ungerecht klingen. Wie gesagt: Die AHV ist eine Sozialversicherung. Es gilt das Primat der Solidarität.

 

Erschienen in der BZ am 14. Juli 2009

Claude Chatelain