Was uns die Kultur so kostet

Mit dem «Projekt Neues Theater Bern» steht die Zukunft der beiden grössten Subventionsempfänger im Bereich Kultur auf dem Spiel. Da dürfte wohl interessieren, wer sonst vom Kanton Bern auch noch wie viel erhält.

Der Steuerzahler im Kanton Bern zahlt dem Stadttheater Bern und dem Berner Symphonieorchester jährlich 18,2 Millionen Franken. Wie viel erhalten die anderen Theater, Orchester und Kunsthäuser im Staate Bern jährlich vom Bähnler aus Stechelberg, über den Bauern von Dürrenroth bis zum Uhrmacher aus Tramelan?

 

Das Zentrum im Zentrum

 

Nun, es sind vor allem die Museen der Kantonshauptstadt, die die höchsten Beiträge erhalten. Neben den fünf grössten Stadtberner Kulturbetrieben erhält nur das Stadttheater Biel einen Betrag von über einer Million Franken. Es folgt die Société de l’orchestre de Bienne mit knapp 900000 Franken – ein Siebtel dessen, was das Berner Symphonieorchester vom Kanton erhält.

 

Zusätzlich zahlt der Kanton noch Beiträge von über 11 Millionen Franken für Musikschulen und über 1 Million Franken für Bibliotheken.

 

In der linken Tabelle aufgeführt sind wiederkehrende Beiträge von über 100000 Franken, die vom Regierungsrat oder dem Grossen Rat abgesegnet werden. Zusätzlich dazu hat aber auch das Amt für Kultur die Kompetenz, wiederkehrende Beiträge zu sprechen.

 

Auch «Kleine» profitieren

 

So erhalten die Camerata Bern oder die Kulturszene Obersimmental Saanenland je 100000 Franken. Andere, wie etwa die Union des Chanteurs Jurassiens, müssen sich mit 1350 Franken begnügen. Über hundert Institutionen von der Stiftung Bauernmuseum Althus Jerisbergerhof über die Bach-Festwochen Thun, Simon-Gfeller-Stiftung, Heimisbach, Schlossverein Fraubrunnen bis zur Bernischen Trachtenvereinigung erhalten Kantonsbeiträge. 2008 hat das Amt für Kultur wiederkehrende Beiträge von knapp 7 Millionen Franken gesprochen. Eine Verteilung nach dem Giesskannenprinzip? «Nein», sagt Jacqueline Strauss, Leiterin der Abteilung Kulturförderung: «Diese Institutionen leisten einen Beitrag zur kulturellen Vielfalt; gerade auch wenn sie ausserhalb der grossen Zentren tätig sind.»

 

Die Beiträge des Kantons seien wichtig, oft überlebenswichtig, selbst wenn sie klein scheinen mögen. «Die Institutionen reichen jährlich einen Antrag ein, und wir überprüfen selbstverständlich, wie sie ihre Aufgaben erfüllen», beteuert Jacqueline Strauss.

 

Erschienen in der BZ am 7. Juli 2009

Claude Chatelain