Vierte Säule: Über Währungsprognosen und Mike Shiva

Die Währungsprognostiker der Banken bringen es etwa auf die gleiche Treffsicherheit wie Mike Shiva. Allerdings mit dem Handicap, dass die Währungsauguren weniger unterhaltsam sind als der Kartenleser am Bildschirm.

Normalerweise zielen die Hellseher mit Ökonomiehintergrund in die gleiche Richtung. Sie liegen allesamt richtig oder allesamt falsch. Letzteres kommt, zumindest aus subjektiver Wahrnehmung, häufiger vor. Doch derzeit klaffen die Prognosen diametral auseinander. Wie bereits vor Wochenfrist in der «Rappenspalte» vermerkt, geht die CS davon aus, dass der Dollar bis in einem Jahr unter die Eins-zu-eins-Parität sinken wird. Sie prognostiziert für Mitte 2010 einen Dollarkurs von 0,94 Franken. Die deutsche Commerzbank hingegen liest ein wahres Dollarralley in ihren Karten und sagt einen Kurs von 1,33 Franken voraus.

 

Als ich einmal gefragt wurde, wie ich die Dollar-Entwicklung beurteile, setzte ich messerscharf meine Analyse ins Blatt: Ich sagte drei Möglichkeiten voraus: Der Kurs wird steigen, der Kurs wird sinken oder er wird gleich bleiben. Nicht ganz überraschend traf ich mit meiner Prognose voll ins Schwarze. Ein Leser liess sich darauf zur Bemerkung hinreissen, meine «Analyse» sei nutzlos und überhaupt nicht originell.

Ich will dieser Einschätzung nicht widersprechen. Ich bin definitiv weniger originell als Mike Shiva. Dafür kann ich für mich in Anspruch nehmen, mit meiner Antwort richtig zu liegen.

 

War meine Antwort nutzlos? Ich denke nicht. Es ist die einzig ehrliche Antwort. Was nützen Währungsprognosen von Banken, wenn die eine einen Kurs von 0,94 und die andere einen solchen von 1,33 Franken prognostiziert?

 

Wichtig für den Anleger ist zu wissen, dass Währungsprognosen die Qualität einer Wette haben. Im Anlageentscheid darauf zu bauen, indem man getreu der Empfehlung der Commerzbank in Dollaranlagen investiert, wäre gefährlich. Ebenso fragwürdig wäre es, sich von Dollaranlagen zu befreien, nur weil die CS einen schwächeren Greenback prophezeit. Besser ist, sich auf die diversen Szenarien einzustellen, womit wir wieder bei den drei Möglichkeiten wären.

 

Erschienen in der BZ am 7. Juli 2009

Claude Chatelain