Intelligentes Produkt für kluge Rechner

Fondssparpläne sind sinnvoll. Aber Achtung: Das regelmässige Sparen mit konstanten Einzahlungen lohnt sich nur dann, wenn die Kommissionen nicht gleich zu Beginn abgezogen werden. Lassen Sie sich nicht auf so genannte Plansummen ein.

Jeden Monat beispielsweise 200 Franken einzahlen und mit dem Geld fortlaufend Fonds kaufen. Das Prinzip der Fondssparpläne ist einfach und bringt dem Anleger einige Vorteile. Bei sinkenden Kursen werden mit gleich hohen Einzahlungen mehr Fondsanteile erworben, bei steigenden Kursen entsprechend weniger. Dank diesem so genannten Durchschnittskosteneffekt ergibt sich ein attraktiver Preis pro Anteil. Fondssparpläne sind etwas vom Intelligentesten, was die Branche in letzter Zeit produzierte.

Diese Vorteile kennen auch die Allfinanzberater und Finanzplaner. Doch sie haben ein Problem: Für die für den Kunden günstigsten Fondssparpläne kriegen die Berater keine Abschlusskommission. Und da ein Allfinanzberater aus nahe liegenden Gründen nur selten aus karitativen Überlegungen unterwegs ist, wird er jene Produkte empfehlen, bei welchen er vom Produktelieferanten gleich nach dem Abschluss eine Kommission erhält. Es sind dies beispielsweise die Fondssparpläne von Skandia, Sarasin, Pictet, Fleming und AIG Private Bank.

Da diese Institute über kein eigenes Vertriebsnetz verfügen und ihre Produkte zu einem grossen Teil über unabhängige Berater an den Kunden bringen, mussten sie einen Fondssparplan kreieren, der sich auch über Makler verkaufen lässt. Also bauten sie eine Abschlusskommission ein. Diese Kommission entspricht einem bestimmten Prozentsatz der so genannten Plansumme. Die Plansumme ergibt sich aus dem monatlichen Beitrag, multipliziert mit der Anzahl Einzahlungen. Beispiel: Die Zahlung von monatlich 200 Franken über 20 Jahre ergibt eine Plansumme von 48 000 Franken. Davon werden - je nach Produkt - zwischen 5 und 6 Prozent in Abzug gebracht und gleich zu Beginn belastet. 5 Prozent von 48 000 sind 2400 Franken. Im Extremfall zahlt man also während eines Jahres monatlich die abgemachten 200 Franken, ohne dass auch nur ein müder Franken in den entsprechenden Fonds fliesst. So geht vorab der «Plan der Verkäufer» auf, gespart wird erst später.

Von den Vorauszahlungen profitiert nur der Makler

Es gibt noch andere Abrechnungsarten, bei denen der Anleger vorab zahlt und nicht profitiert. Beispiele: Bei einer monatlichen Prämie von 200 Franken und einer Plansumme von 12 000 Franken beläuft sich die 5-prozentige Abschlusskommission auf 600 Franken. Der Kunde zahlt bei seiner ersten Überweisung 800 Franken, 600 für die Abschlusskommission, bloss 200 für den eigentlichen Sparplan.

Diese Modelle mit einer einmaligen Abschlussgebühr werden von den Maklern gern verkauft, haben aber entscheidende Nachteile. Wer vorzeitig aussteigt oder die Zahlungen unterbricht, hat die Kommission für Einzahlungen bezahlt, die gar nie getätigt wurden. Kein Wunder, dass die Leute in solchen Fällen sich wutentbrannt an die Medien wenden und um Hilfe bitten.

Besonders krass ist es bei langjährigen Verträgen von bis zu 40 Jahren. So lange soll man sich keinesfalls binden lassen! Will man nach wenigen Jahren das Geld zurück, erhält man ein Bruchteil dessen, was insgesamt einbezahlt worden ist. Da wird ein Fondssparplan in den Augen der Betroffenen schnell einmal zum Dümmsten, was die Finanzbranche in den letzten Jahren herausgebracht hat. Ein Ärgernis, das sich wegen der Börsenbaisse der letzten Jahre zusätzlich akzentuiert hat.

Zwar verlangen auch die Banken eine Abschlusskommission. Aber nicht sofort. Die Gebühren werden bei jeder Einzahlung belastet. Man kann daher problemlos aussteigen, die Zahlungen sistieren, die Höhe der Prämien variieren und ist dadurch viel flexibler. Das Geld wird von Beginn weg investiert und nicht erst, wenn die Gebühren bezahlt sind.

Festgelegte Plansummen schränken den Anleger ein

Nicht zuletzt wegen des oben genannten Makels hat die Bâloise von Fondssparplänen mit einer im Voraus definierten Plansumme Abstand genommen: «Bei unseren Fondssparplänen werden neu die Ausgabekommissionen von jeder Einzahlung abgezogen. Es gibt neuerdings auch keine Plansummensteuerung mehr, und der Kunde zahlt nur die Ausgabekommission auf den einbezahlten Teil. Bei einem Rückkauf des Kontos werden dem Kunden keine weiteren Abschlusskosten belastet», erklärt Firmensprecher Alfred Rikli. Auch bei Zürich-Invest, bei der Bank von Ernst, bei der DWS, der Fidelity und anderen Anbietern funktionieren die Sparpläne nach diesem viel sinnvolleren Prinzip.

Es wäre nun falsch anzunehmen, die Makler dürften nur Fondssparpläne mit Plansumme und einmaliger Abschlusskommission verkaufen. Einige unter ihnen vertreiben auch herkömmliche Fondssparpläne. Allerdings erhalten sie dafür keine Abschlusskommission, sondern eine fortlaufende Entschädigung. Diese wird gestoppt, sobald der Kunde seinerseits die Überweisungen einstellt.

Das ist für den Makler nicht interessant, sofern er ausschliesslich von den Provisionen lebt und nicht auf Honorarbasis arbeitet. Er wird daher nur Fondssparpläne mit einer definierten Plansumme empfehlen und die Kommission gleich einsacken, unabhängig davon, ob der Kunde schliesslich die Zahlungen auch tätigen wird. Frei nach dem Motto: Was man hat, das hat man.

Daher der Tipp: Meiden Sie Fondssparpläne mit vorgegebener Plansumme und im Voraus zu bezahlenden Abschlusskosten.

 

Erschienen im CASH am 7. Juni 2002

 

 

Claude Chatelain