Es lebe der Espace Westschweiz

Die Lötschberg-Connection formiert sich: Bern und die Westschweizer Kantone wollen künftig in der Wirtschaftsförderung im Ausland zusammen auftreten – mit Genf als internationalem und Bern als politischem Zentrum.

Der Espace Mittelland ist tot. Es lebe der Espace Westschweiz. Am 2.Juli werden die Volkswirtschaftsdirektoren der Kantone Genf, Waadt, Neuenburg, Freiburg, Wallis und Bern über das gemeinsame Standortmarketing informieren. Doch bereits heute ist bekannt, dass Bern mit den Westschweizer Kantonen zusammenarbeiten will. Das schreibt die Zeitung «Sonntag» in ihrer gestrigen Ausgabe. Was hingegen nicht geschrieben steht: Der neue Verbund konzentriert sich auf die Wirtschaftsförderung im Ausland. Dies im Unterschied zum Espace Mittelland, der gegen innen orientiert war. Anfang Juni wurde bekannt, dass der Verein Espace Mittelland aufgelöst werden soll.

 

Noch fehlt die Unterschrift

 

Andreas Rickenbacher und Jean-Michel Cina, die Volkswirtschaftsdirektoren der Kantone Bern und Wallis, wollen sich nicht näher zum neuen Projekt äussern. Sie halten sich an die offizielle Sprachregelung, wie sie vom Genfer Regierungspräsidenten Pierre-François Unger im «Sonntag» formuliert wurde: «Das Wirtschaftsprojekt Genf/ Lausanne/Bern wird seit eineinhalb Jahren vorangetrieben. Die Arbeiten sind fortgeschritten, aber noch nicht beendet. Die Schlussvereinbarung ist noch nicht unterschrieben, und die Kantonsregierungen haben sie noch nicht abgesegnet.»

 

Was den Kanton Bern betrifft, so dürfte die Regierung an ihrer wöchentlichen Sitzung am Mittwoch das Projekt absegnen. Im Wallis hingegen wurden die Regierungsmitglieder laufend informiert, wie Cina bestätigt.

 

«Geneva» als Zugpferd


Den Namen des im Ausland zu vermarktenden Wirtschaftsraums wollte Pierre-François Unger nicht verraten. Immerhin dürfte nach seiner Einschätzung das Wort «Geneva» enthalten sein. Genf ist das internationale und Bern das politische Zentrum dieses neuen Gebildes, das man auch als «Lötschberg-Connection» bezeichnen könnte. Dies im Gegensatz zur «Gotthard-Connection», zu welcher die Kantone Aargau, Appenzell, Luzern, Schaffhausen, Schwyz, St. Gallen, Thurgau, Zug und Zürich zählen könnten.

 

Der Kanton Jura will sich übrigens nicht der Westschweiz, sondern dem Verbund «Metro Basel» anschliessen. «Die Regierung hat sich formell für Basel entschieden, weil sie so das grosse Problem des Juras – die geografische Isolation – besser lösen kann», erklärte Pierre-François Unger.

 

War im Espace Mittelland die Heterogenität der Kantone eher ein Nachteil, könnte sie im neuen Verbund von Vorteil sein. Laut Recherchen dieser Zeitung wird sich das Marktgebiet zwischen dem Genfersee und dem Entlebuch als zweisprachiger Wirtschaftsstandort positionieren: 60 Prozent sind Romands, 40 Prozent Deutschschweizer.

 

Von den Welschen portiert


Wie stark die Romands den Kanton Bern als einen ihrer Verbündeten betrachten, zeigt auch die Wahl des Berner Regierungsrats Andreas Rickenbacher. Er wurde vergangenen Freitag in den sechsköpfigen Vorstand der Konferenz der kantonalen Volkswirtschaftsdirektoren (VDK) gewählt. Vorgeschlagen wurde Rickenbacher von der Volkswirtschaftsdirektoren-Konferenz der Westschweiz. Der letzte Vertreter des Kantons Bern im Vorstand war bis im Mai 1990 der damalige Volkswirtschaftsdirektor Bernhard Müller. Somit ist der Kanton Bern seit 1990 erstmals wieder im Vorstand der VDK vertreten.

 

Erschienen in der BZ am 22. Juni 2009

Claude Chatelain