800 Millionen Franken zu teuer

Preisüberwacher Stefan Meierhans
Preisüberwacher Stefan Meierhans

Der Preisüberwacher erneuert seine Vorschläge zur Senkung der Medikamentenpreise. Vorschläge, die schon seit drei Jahren auf dem Tisch liegen und der Bundesrat via Verordnung hätte einführen können – wenn er nur wollte.

Steter Tropfen höhlt den Stein. Dies dürfte sich der Preisüberwacher gesagt haben, als er gestern Vorschläge zur Senkung der Medikamentenpreise formulierte. «Die Erhöhung der Krankenkassenprämien würde weniger hoch ausfallen, wenn die vom Preisüberwacher in den letzten drei Jahren geforderten Massnahmen bei den Medikamenten rechtzeitig umgesetzt worden wären», schreibt Stefan Meierhans. Schon sein Vorgänger Rudolf Strahm forderte:

  • die Preise alle drei Jahre zu überprüfen und mit jenen der Nachbarländern zu vergleichen;
  • die Vertriebsmargen der Apotheken, Arztpraxen und Spitalambulatorien zu senken;
  • den Direktimport durch Apotheken und Spitäler zu erleichtern.

 

All diese Massnahmen könnte der Bundesrat ohne Gesetzesänderung, also über eine Verordnung umsetzen. Wie bekannt, liessen sich dadurch jährlich 800 Millionen Franken einsparen.

 

Auch Italien und Frankreich


Schon im Juni 2007 hatte sich der Ständerat bei der Teilrevision des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) für Massnahmen zur Senkung der Medikamentenpreise ausgesprochen. Schon damals entschied die kleine Kammer, die Medikamentenpreise seien in erster Linie mit jenen der Nachbarländer wie Italien, Frankreich und Österreich und nicht nur mit wirtschaftlich vergleichbaren Ländern wie Dänemark, Niederlande, Deutschland oder Grossbritannien zu vergleichen.

 

Weitere Einsparungen der Kosten liessen sich durch eine Senkung der Vertriebsmargen realisieren – und zwar von 200 Millionen Franken. Die Umsatzmarge liegt heute bei 15 Prozent. Sie sollte laut Preisüberwacher auf 6 Prozent gesenkt werden. Schliesslich werde die Beratungsleistung des Arztes über den Ärztetarif Tarmed abgegolten.

 

Zusätzlich zu diesen bereits vor drei Jahren formulierten Vorschlägen will der Preisüberwacher auch die Generika fördern. Dabei sollen falsche Verkaufsanreize beseitigt werden. Stefan Meierhans plädiert für das in Deutschland praktizierte Modell, wo die Vergütung für verkaufte Medikamente auf dem jeweils günstigsten Wirkstoff basiert. Dass damit der Absatz von Generika gefördert würde, zeigt der Blick in die Statistik: Der Anteil der Generikakosten an den gesamten Medikamentenkosten beträgt in Deutschland 32 Prozent; in der Schweiz dagegen bloss 8 Prozent. Europäischer Musterknabe ist dagegen die Slowakei: Ihr Anteil der Generikakosten beträgt sogar 48 Prozent.

 

Couchepin: Untätig

 

Weil der abtretende Gesundheitsminister Pascal Couchepin bislang keine Anstrengungen zur Senkung der Medikamentenpreise unternommen hatte, drohten Konsumentenschutz und Krankenkassen auch schon mit einer Volksinitiative.

 

Vor drei Wochen hatte Couchepin angekündigt, noch vor den Sommerferien Massnahmen zur Senkung der Medikamentenpreise vorzulegen. Eine Pionierleistung wird das kaum sein. Höchstens ein Nachgeben auf wiederholte Druckversuche.

 

Erschienen in der BZ am 19. Juni 2013

Claude Chatelain