Versteckte Zuschüsse für die Miete

Das Stadttheater Bern ist finanziell nicht in der Lage, der Eigentümerin des Theatergebäudes am Kornhausplatz eine kostendeckende Miete zu bezahlen. Deshalb sind die Subventionen eigentlich höher als ausgewiesen.

Total 23760000 Franken. Das ist der Betrag, den das Stadttheater Bern an Subventionen einstreichen kann. Die Zahl wird überall ausgewiesen: im Geschäftsbericht der Theatergenossenschaft Bern oder auch im Schlussbericht zum Projekt «Neues Theater Bern». Doch die Zahl ist falsch: Der Betrag, den der Steuerzahler für das Stadttheater als Subvention bezahlt, beträgt bis 2011 unbescheidene 3,1 Millionen Franken mehr als offiziell angegeben.

 

3,1 Millionen Franken mehr

 

Diesen Betrag von 3,1 Millionen Franken hat nämlich Stadtbauten Bern von Stadt und Kanton als Mietzinszuschuss für die dringendsten Unterhaltsarbeiten am Stadttheater erhalten. Seit Ende 2004 ist die öffentlich-rechtliche Anstalt Stadtbauten Bern Eigentümerin des Theatergebäudes am Kornhausplatz. Doch eine kostendeckende Miete vermochte das Stadttheater nie zu bezahlen, wie Stefan Dellenbach von Stadtbauten Bern bestätigt. Derzeit zahlt die Theatergenossenschaft Bern einen Mietzins von 1,7 Millionen jährlich. Viel zu wenig, um die normal erforderlichen baulichen Unterhaltsarbeiten zu finanzieren. Deshalb erhielt Stadtbauten Bern – wie gesagt – 3,1 Millionen Franken, bezahlt je zur Hälfte vom Kanton und der Stadt Bern.

 

Mangelhafte Buchführung


Bilanzwahrheit und Bilanzklarheit sind Bewertungsgrundsätze einer ordnungsmässigen Buchführung, wie sie im zweiten KV-Lehrjahr doziert werden. Beide Grundsätze lassen in der Rechnung des Stadttheaters zu wünschen übrig. Ein anderes Beispiel war in diesen Spalten bereits zu lesen (siehe Ausgabe vom 15.Juni).

 

Noch ein Beispiel gefällig? Der Steuerzahler vergütet das Symphonieorchester (BSO) mit 4,9 Millionen Franken, damit es seine Dienste dem Stadttheater zur Verfügung stellt. Ein Kostenfaktor, der in der Rechnung des Stadttheaters ebenfalls fehlt, da ja das Geld direkt dem BSO überwiesen wird. Dies mit der Konsequenz, dass das Ergebnis des Stadttheaters Bern besser – oder weniger schlecht – aussieht, als es auf Grund des Grundsatzes der Bilanzwahrheit aussehen müsste.

 

Erschienen in der BZ am 18. Juni 2009

Claude Chatelain