Moment mal: Psychiater für Politiker

Unter den Parlamentariern leiden etliche Vertreter der SVP unter einem Trauma. Das äussert sich etwa in der Fernsehsendung «Arena». Ob Mörgeli, Föhn oder Amstutz – alle legen sie wiederholt die x-mal gespielte Platte auf.

Auch in Sendungen, wo es um die Zukunft geht, erzählen sie in regelmässiger Hartnäckigkeit von ihrem abgehalfterten Guru, dem damals einzigen fähigen Mann eines siebenköpfigen Gremiums, wie er vom Parlament schmählich daran gehindert wurde, weiterhin als einzige fähige Führungspersönlichkeit das Zepter zu schwingen. Und sie erzählen wiederholt von jener Frau aus dem fernen Bündnerlande, wie sie der SVP untergejubelt wurde, dabei sei sie gar nicht SVP, sondern BDP.

 

So sehr diese Leute unser Mitgefühl verdienen: Fernsehdebatten als Beitrag zur Lösung von Zukunftsproblemen sind die falsche Plattform für Vergangenheitsbewältigungen. Die richtige Therapie könnte ein Politpsychiater verordnen, ein Beruf mit Potenzial. Da sich die SVP vehement dagegen sträubt, den Leistungskatalog in der obligatorischen Grundversicherung auszudehnen, wäre diese Lösung erst noch kostenneutral.

 

Erschienen in der BZ am 16. Juni 2009

Claude Chatelain