Kartentrick vor den Ferien

Was sind die Gratis-Reiseversicherungen wert, die Kreditkartenfirmen jenen Kunden anbieten, die ihreFerien mit der Karte bezahlen? Nicht viel. Und wirklich gratis sind sie auch nicht.

Die Absicht der Kreditkartenfirmen ist offensichtlich: Sie packen «kostenlose» Versicherungen vor allem deshalb mit in ihr Angebot, damit mehr Reisen mit Plastikgeld bezahlt werden. Und werben dafür vollmundig: «Das ersetzt eine Reiseversicherung!» Das zumindest sagt Cornèrcard-Sprecherin Daniela Gampp.

 

Schön wärs. Der Versicherungsschutz der Kreditkartenversicherungen ist sehr begrenzt. Er gilt nur bei Unfällen. Das ist ein grosses Manko, denn nicht einmal die Hälfte der Patienten, die die Rega 2007 zurück in die Schweiz transportieren musste, litt an den Folgen von Unfällen. Von den knapp 1000 Patienten waren 58 Prozent akut erkrankt. Da hätte keine der Kreditkartenversicherungen gezahlt. Und selbst bei Unfällen springen sie nur ein, wenn die Reise – oder zumindest ein grösserer Teil davon – mit Plastikgeld beglichen wurde. Sogar das Transportmittel, mit dem man verunfallt, muss mit der Kreditkarte bezahlt worden sein. Wer also im Hotel die Treppe herunterfällt oder in der U-Bahn ausrutscht und das Ticket bar bezahlt hat, hat Pech gehabt.

 

Kosten auf die Jahresgebühr abgewälzt

 

Es ist auch eine Mär, dass der Versicherungsschutz gratis wäre. Die Versicherung wird über die Jahresgebühr bezahlt. Die Kosten dafür bewegen sich allerdings im Rappenbereich. Denn angesichts der zahlreichen Einschränkungen sind die Risiken für die Versicherungskonzerne nur sehr klein. Kommt hinzu, dass viele Konsumenten gar nichts von der Versicherung wissen und sie deshalb selbst dann nicht in Anspruch nehmen, wenn diese zahlen würde. Vor allem aber schliessen die meisten Touristen – richtigerweise – eine herkömmliche Reiseversicherung ab. Auch deshalb werden Kreditkartenversicherungen nur sehr selten zur Kasse gebeten.

Keinen Versicherungsschutz gibts bei den Kreditkarten von SBB, Migros und Coop. Dafür zahlt man für sie auch keine Jahresgebühr. Nur wegen des Versicherungsschutzes eine Kreditkarte zu nehmen, die 50 Franken pro Jahr kostet, lohnt sich definitiv nicht.

 

Eine Ausnahme gibts, jedoch nur für Jüngere: Die UBS Maestro Card Campus für unter 26-Jährige umfasst ebenfalls die Assistance-Versicherung MobiJeunes. Der Schutz wird hier auch bei Krankheit wirksam. Im Gegensatz zu herkömmlichen Reiseversicherungen sind Annullierungskosten und Gepäck aber nicht versichert. Dafür zahlt man auch keine Jahresgebühr.

 

Infos

Diese Bereiche decken die Kreditkarten ab

Kapitalversicherung bei Reiseunfällen: Verunfallt ein Versicherter tödlich, erhalten die Angehörigen einen vereinbarten Betrag. Bei einem Flugzeugabsturz etwa wird den Hinterbliebenen die versicherte Todesfallsumme ausbezahlt – unabhängig davon, ob noch andere Versicherungen zahlungspflichtig sind. Deren Höhe variiert von Karte zu Karte: Bei der Blue von American Express beträgt sie 50 000 Franken, bei der Mastercard Platinum der Credit Suisse (CS) dagegen eine Million Franken.

 

Versicherung für Rückführungen: Eine Rückführung durch die Rega ist teuer: Bis zu 200000 Franken kann der Rücktransport in die Heimat kosten. Kreditkartenfirmen versichern in den meisten Fällen aber nur Kosten bis zu 60 000 Franken – was für Reisen in den Mittelmeerraum jedoch reicht. Der Versicherungsschutz kommt aber nur nach Unfällen zum Tragen. Bei Rückführungen in Krankheitsfällen gibts dagegen von den Kreditkartenfirmen kein Geld.nGepäckversicherung und Rechtsschutz Bei diversen Kreditkarten ist auch dies abgedeckt, zum Beispiel bei der Cornèrcard. Bei der Mastercard Platinum der CS wird gar die Heimreise von Hunden und Katzen bei einem Krankenhausaufenthalt entschädigt. Zudem kommt man in den Genuss von Vorschüssen für Arzt-, Krankenhaus-, Anwalts- oder Dolmetscherkosten. Dieser Service ist allerdings nicht ganz billig: Die Jahresgebühr beträgt 250 Franken. Eine Zweitkarte kostet gleich nochmals so viel.

 

Erschienen im BEOBACHTER am 12. Juni 2009

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Claude Chatelain