Vierte Säule: Über die soziale Abfederung in der AHV

Wenn der Ständerat die 11. AHV-Revision in Angriff nimmt, wird er über die Berechnung vorbezogener Renten debattieren und der Frage nachgehen, ob diese allenfalls sozial abzufedern sind.

Die Räte von links bis rechts werden hart kämpfen und allenfalls einen Kompromiss schmieden. Wie immer der Entscheid dann ausfallen wird: Das bereits komplizierte System wird noch komplizierter. Die bereits undurchsichtige Berechnung wird noch undurchsichtiger.

 

Als Rentner kann man nur hoffen, dass man in den Genuss einer maximalen Vollrente kommt: Sie beträgt heute 2280 Franken pro Monat. In diesem Fall hat man Gewähr, dass nichts schief gelaufen ist. Liegt aber die Rente wegen fehlender Beitragsjahre oder unterdurchschnittlicher Einkommen unter diesem maximalen Betrag, so kann man nur beten, dass den Ausgleichskassen und ihren Computern kein Fehler unterlaufen ist.

 

Oder wollen Sie nachrechnen, ob die Rente richtig berechnet wurde? Viel Glück: Selbst mit einem Hochschulabschluss in Mathematik würden Sie dazu kaum in der Lage sein. Die Spezialisten der Ausgleichskassen werden zwar einwenden, die Rentenberechnung sei keine Hexerei: Man addiere die AHV-pflichtigen Erwerbseinkommen, multipliziere die Summe mit dem persönlichen Aufwertungsfaktor und teile sie durch die Anzahl Beitragsjahre. Dann die gleiche Übung mit den Erziehungsgutschriften, falls es welche gibt. Und die gleiche Übung mit den Betreuungsgutschriften, falls es auch solche gibt. Aber woher wollen Sie die Daten nehmen? Wie hoch war das Erwerbseinkommen im Jahr 1984? Oder 1990? Es könnte ja sein, dass der AHV ein Fehler unterlaufen ist, dass irgendetwas vergessen wurde, dass irgendetwas falsch verstanden wurde.

 

Ich habe keine Ahnung, wie viele AHV-Bezüger eine kleinere Rente erhalten, als sie zugute hätten – oder eine höhere. Ich weiss nur: Menschen machen Fehler, meistens ungewollte. Und der grösste Fehler in unserem AHV-System besteht darin, dass die Rentenberechnung derart kompliziert und intransparent ist, dass man als Rentenbezüger kaum eine Chance hat, die Rentenhöhe nachzukontrollieren und allfällige Fehler aufzudecken.

 

Erschienen in der BZ am 2. Juni 2009

Claude Chatelain