Angriff auf Grübels Lohntüte

Oswald Grübel.
Oswald Grübel.

Geht es nach dem Willen zahlreicher Politiker, wird die UBS-Spitze in Zukunft gleich entlöhnt wie die Manager der Post oder der SBB. Fraglich ist, ob der zur Sanierung herbeigerufene UBS-Chef Oswald Grübel dazu Hand bietet.

«Wir müssen eher aufpassen, dass nicht im politischen Raum von den Laien etwas falsch gemacht wird. Die Profis wissen schon, was zu tun ist. «Die Worte von UBS-Präsident Kaspar Villiger in dieser Zeitung (Ausgabe vom 16.Mai 2009) sorgten unter Politikern für heisse Köpfe. Und wie es scheint, könnte die Retourkutsche am kommenden Mittwoch in Trab gesetzt werden. An diesem Mittwoch berät nämlich der Ständerat unter anderem über die Motion «Weniger Risiken für den Finanzmarkt». Darin werden fünf Massnahmen gefordert.

 

Eine davon lautet: «Solange ein Finanzinstitut Staatshilfe beansprucht, ist darauf hinzuwirken, dass für Verwaltungsrat und Konzernleitung eine Salärstruktur analog derjenigen von bundesnahen Unternehmungen wie Post, SBB oder Schweizerischer Nationalbank eingeführt wird.» Der Nationalrat hat der von der Wirtschaftskommission (WAK) eingereichten Motion mit 104 zu 81 Stimmen bereits zugestimmt. Und gemäss dem «Sonntag» stehen die Chancen gut, «dass auch der Ständerat den UBS-Chefs einen Lohndeckel verpasst – nicht zuletzt dank Villiger».

 

«Arrogante Aussage»

 

«Das Volk erwartet, dass wir handeln. Wer vom Staat unterstützt wird, muss mit Einschränkungen rechnen», sagt der Tessiner CVP-Ständerat Filippo Lombardi. Doch erst Villigers «arrogante Aussage» bewege ihn dazu, der Motion eher zuzustimmen. Und der Luzerner Konrad Graber (CVP) meinte gegenüber der gleichen Zeitung: «Das Volk erwartet ein Signal. Ich dachte, dieses Signal hätte die UBS bereits erhalten. Aber offenbar hat das nicht genügt.» Villigers Aussage habe ihn «massiv geärgert».

 

18 dafür, 14 dagegen

 

Nach einer Umfrage des «Sonntags» werden 18 Ständeräte Ja und 14 Nein stimmen. Die beiden Berner Simonetta Sommaruga (SP) und Werner Luginbühl (BDP) befinden sich im Ja-Lager; derweil die beiden Solothurner Rolf Büttiker (FDP) und Ernst Leuenberger (SP) «eher Nein» stimmen wollen, wie der «Sonntag» schreibt. Auch die Wirtschaftskommission des Ständerats plädiert für ein Ja, allerdings nur dank des Stichentscheids von Kommissionspräsidentin Sommaruga.

 

Der Bundesrat lehnt es ab, «Salärstrukturen bundesnaher Unternehmungen und Organisationen tel quel auf staatlich unterstützte Bankinstitute zu übertragen.» In seiner schriftlichen Begründung verweist er darauf, dass die Finanzmarktaufsicht (Finma) derzeit damit beschäftigt sei, generelle Richtlinien zu den Entschädigungssystemen auszuarbeiten, die sich an den auf internationaler Ebene erarbeiteten Empfehlung orientierten.

 

Damit dürften sich die Parlamentarier kaum zufrieden geben. Dies umso mehr, da die Entlöhnung der UBS-Manager immer neue Fragen aufwirft. So schreibt der «Sonntag» in der gestrigen Ausgabe, die Finma habe einzig für das zurückliegende Jahr den Auftrag erhalten, die variablen Löhne der UBS-Banker zu bestimmen. Hingegen für 2009 hätte sie kein solches Mandat erhalten.

 

Dies mit der Konsequenz, dass der UBS die Möglichkeit gegeben wurde, schon heute die Saläre von Investmentbankern um bis zu 50 Prozent zu erhöhen. Schon im Februar hat die UBS ihren Direktoren Boni im Wert von 900 Millionen Franken versprochen, die im zweiten Quartal verbucht werden sollen. 

 

3 Millionen für Grübel

 

Was würde Oswald Grübel wohl sagen, wenn ihm die Lohntüte geviertelt würde? Dem 66-jährigen Konzernchef wurde Ende Februar 2009 ein Jahressalär von 3 Millionen Franken angeboten, damit er den Golfplatz in Spanien mit der Bahnhofstrasse in Zürich austauscht.

 

Schon zum zweiten Mal wurde der Sanierer aus seinem Ruhestand zurückgeholt. «Ich werde Konzernchef sein, bis der Job gemacht ist», sagte der Rentner beim Stellenantritt. Doch bis die Motion dann auch in Kraft tritt, dürfte der «Messias», wie Grübel auch schon genannt wurde, seinen Job gemacht haben und erneut mit seinem Golfhandicap beschäftigt sein.

 

Erschienen in der BZ am 25. Mai 2009

Claude Chatelain