Vierte Säule: Müssen Schwinger den Muni versteuern?

Schwingerkönig Kilian Wenger mit Muni Arnold
Schwingerkönig Kilian Wenger mit Muni Arnold

Am kommenden Wochenende findet an der Lenk das erste grössere Schwingfest dieses Jahres im Kanton Bern statt: das Oberländische. Eine gute Gelegenheit, mal der Sache nachzugehen, wie die für Schwingfeste traditionellen Gaben zu versteuern sind – oder zu versteuern wären.

 

Eigentlich ist der Fall klar: Schwingerpreise sind eine Prämie für eine geleistete Tätigkeit und müssen als Einkommen versteuert werden – unabhängig davon, ob es ein Muni, ein Kühlschrank, ein Hochdruckreiniger oder ein Melchstuhl ist. «Preise, die aus zufallsunabhängigen Leistungswettbewerben erzielt werden, sind als ordentliches Einkommen zu versteuern», heisst es auf einem Merkblatt der Steuerverwaltung im Kanton Bern.

Keine Frage: Schwingfeste sind Leistungswettbewerbe, und die Preise werden nicht zufällig gewonnen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um einen Geld- oder Naturalpreis handelt. Der Muni hat einen Wert – und dieser ist als Einkommen zu versteuern.

 

Wird nun der Steuervogt böse, wenn so ein «Böser» seine erkämpfte Treichel nicht versteuert? Mancher Steuerkommissär wird ein Auge zudrücken. Beharrt er nämlich auf der ordentlichen Deklarierung, müsste er den Schwinger darauf aufmerksam machen, dass auch die entsprechenden Auslagen steuerlich absetzbar sind.

 

Auslagen? Da sind all die Autokilometer ans Training und zurück. Da sind um die 15 Schwingfeste, die meistens mit dem Auto aufgesucht werden. Am Fest muss man etwas essen, was unter «Verpflegung auswärts» geltend gemacht werden kann. Schwinger brauchen übers Jahr spezielle Nahrung, die auch nicht billig ist. Auch Masseure arbeiten nicht gratis. Und wer an einem Fest einen Kranz gewinnt, muss eine «Runde» blechen. Dieses ungeschriebene Gesetz wird auch um die 100 Franken kosten. Kurz: Je nach Distanz zum Schwingkeller kommt ein Kranzschwinger locker auf jährliche Ausgaben von 10000 Franken.

 

Beim Schwingerkönig Jörg Abderhalden, der sein Hobby halb professionell betreibt, übertreffen die Preise seine Auslagen. Doch beim Gros der Schwinger dürften sich Ausgaben und Einnahmen die Waage halten. Die Versteuerung der Preise würde zu einem Nullsummenspiel.

 

Erschienen in der BZ am 12. Mai 2009

Claude Chatelain