Vierte Säule: John C. Bogle in Zürich

John C. Bogle, berühmtester Verfechter von Index-Fonds.
John C. Bogle, berühmtester Verfechter von Index-Fonds.

John C. Bogle war letzte Woche in Zürich. Zwar nicht leibhaftig, aber live von Pennsylvania ins Gebäude der Schweizer Börse zugeschaltet. Gemäss dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin «Fortune» ist Bogle neben Warren Buffet einer der vier Investment-Giganten des 20.Jahrhunderts. Seit Jahrzehnten predigt er, was sich nun mehr und mehr durchzusetzen scheint: indexiertes Investieren. Von Bogle stammt der wegweisende Satz: «Suche nicht die Nadel im Heuhaufen. Kaufe das ganze Heu».

Will heissen: Man soll nicht einzelne Aktien herauspflücken. Man soll sich vielmehr an sämtlichen Unternehmen eines Börsenindexes beteiligen. Die Fondsgesellschaft Vanguard Group, die Bogle gegründet hat, spezialisiert sich seit Jahrzehnten auf Indexfonds. Der Kurs solcher Fonds entwickelt sich im Gleichschritt mit dem zugrunde liegenden Index.

 

Und so sagte Bogle am «Index Day» – so hiess der Anlass –, man solle einen grossen Index wählen, nicht einen kleinen Länderindex oder einen Branchenindex. Mit grossem Index könnte er den MSCI World gemeint haben, der Aktien rund um den Globus abbildet. Oder etwa den S&P-500 mit den 500 grössten Unternehmen der USA. Ein kleiner Länderindex wäre etwa der SMI, der bloss 20 Schweizer Firmen abbildet und welcher von nur 5 Unternehmen dominiert wird. Und punkto Branchenindex machte sich Bogle über Technologiefonds lustig. Na ja, man könne sehr wohl einen kleinen Teil des Vermögens für «Funny money» einsetzen …

 

Kein Wunder, dass auch etliche Finanzexperten der Bahnhofstrasse aufkreuzten, um den Investment-Giganten live zu erleben. Fast leidtun mussten einem die Vorredner, die doch tatsächlich Plädoyers für strukturierte Produkte oder – eben – «funny money» hielten. Sie könnten einem Bogle kaum widersprechen. Nicht nur, weil er rhetorisch überlegen ist. Vor allem aber, weil historische Erfahrungen Bogle Recht geben.

 

Am Schluss des «Index Days» erhielten dann alle Teilnehmer noch Bogles Buch: «Keine Investment Zauberformel». Darin wird unter anderem die Geschichte der «Familie Steinreich» erzählt. Mehr dazu in der Kolumne von kommender Woche.

 

Erschienen in der BZ am 28. April 2009

Claude Chatelain