Mobiliar: Teurer Mut zum Risiko

Mobi-Chef Urs Berger.
Mobi-Chef Urs Berger.

Trotz der Finanzkrise vermochten die Sachversicherer der Schweiz positive Ergebnisse zu erzielen, so auch die Mobiliar. Doch bei der Mobiliar sorgte ein hoher Abschreiber von 300 Millionen Franken für ein mässiges Resultat.

Wie die Banken sind auch die Versicherungen den Finanzmärkten stark ausgesetzt. Doch im Unterschied zu den Banken sind die Versicherungsgesellschaften der Schweiz gut aufgestellt – sie konnten alle für 2008 ein positives Ergebnis ausweisen. Zwei Einschränkungen: Swiss Life hätte ohne den Verkauf von Tochtergesellschaften rote Zahlen ausgewiesen. Und Swiss Re, wo alt Bundesrat und UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger im Verwaltungsrat sass, wies wegen risikoträchtiger Geldanlagen ein katastrophales Ergebnis aus.

 

Im Wesentlichen gibt es drei Gründe, weshalb die Versicherer der Schweiz trotz widriger Finanzmärkte verhältnismässig gute Resultate ausweisen. Erstens sind sie besser kapitalisiert als die Banken; zweitens verfolgen sie generell eine konservativere Anlagestrategie, und drittens blicken sie auf ein Geschäftsjahr ohne grössere Elementarschäden zurück.

 

Keine Grossschäden

 

Dieser dritte Punkt äussert sich im historisch tiefen Schaden- und Kostensatz, der sogenannten Combined Ratio. Sie setzt die allgemeinen Kosten und den Schadenaufwand ins Verhältnis zu den Prämieneinnahmen. Normalerweise tendiert dieser Prozentsatz gegen hundert. Doch weil die Schweiz im zurückliegenden Jahr von grösseren Elementarschäden verschont blieb, weisen die Versicherer rekordtiefe Combined Ratios von zum Teil unter 90 Prozent aus.

 

Eine tiefe Combined Ratio deutet auf ein Prämiensenkungspotenzial hin. Doch Urs Berger warnt vor verfrühten Hoffnungen. Wie der CEO der Mobiliar an der gestrigen Medienkonferenz erklärte, könne man nicht auf Grund eines einzigen, ereignisarmen Schadenjahres die Prämien anpassen. «Die durchschnittliche Entwicklung zählt.» Als 2005 wegen des verheerenden Hochwassers rekordhohe Elementarschäden aufgetreten waren, habe man auch nicht flugs die Prämien erhöht. Dank dem Ausbleiben von Naturkatastrophen erzielte die Mobiliar ein technisches Ergebnis von 337 Millionen Franken; dreimal mehr als im Vorjahr.

 

Beeindruckend ist auch, wie die Mobiliar bereits zum vierten Mal in Folge stärker zu wachsen vermochte als der Markt insgesamt. Mit 1700 Mitarbeitenden im Kanton Bern ist die Mobiliar einer der grössten privaten Arbeitgeber der Region. Allein am Hauptsitz in Bern sind 1250 Leute beschäftigt.

 

Riskante Geschäfte

 

Ernüchternd fiel dagegen das finanzielle Ergebnis mit minus 264 Millionen aus, was auf die Baisse an den Finanzmärkten zurückzuführen ist. Wobei man sich fragen darf, weshalb sich eine für ihre Besonnenheit bekannte Mobiliar in strukturierten Kollektivanlagen engagiert, die zum Teil fremdfinanziert waren. Wie dem Jahresbericht zu entnehmen ist, mussten auf solchen riskanten Anlagen Abschreibungen von knapp 300 Millionen Franken vorgenommen werden. Dieser ungewöhnliche Abschreiber liefert womöglich den wahren Grund, weshalb sich die Mobiliar vom Leiter des Asset Management, dem GL-Mitglied Roland Frey, getrennt hat.

 

Trotz des starken Gewinneinbruchs von 341 auf 27 Millionen Franken wird die Mobiliar auch nächstes Jahr Rückerstattun-gen gewähren. Begünstigt im Umfang von insgesamt 110 Millionen Franken werden diesmal Policeninhaber von Haushaltversicherungen. Sie können mit einer Prämienreduktion von 20 Prozent rechnen.

 

Erschienen in der BZ am 24. April 2009

Claude Chatelain