In Bern sind schon viele gegangen

Bern und Solothurn dürften von den Entlassungen bei der UBS nicht so stark betroffen sein. Zum einen, weil die UBS nicht beim Frontpersonal abbauen will. Zum anderen, weil viele UBS-Banker schon gegangen sind.

«Wir werden nicht um Entlassungen herumkommen – auch nicht in der Schweiz», sagte gestern UBS-Konzernchef Oswald Grübel an der Generalversammlung im Zürcher Hallenstadion. Er rechnet damit, dass bei einem geplanten Abbau von 2500 Stellen im Schweizer Markt 1200 bis 1500 Entlassungen ausgesprochen werden müssen. Wo genau der Rotstift angesetzt wird, wollte der Konzernchef nicht verraten. Man darf davon ausgehen, dass vor allem das Backoffice im Hauptsitz in Zürich betroffen sein wird. Der Zürcher Regierungsrat hat jedenfalls bereits seiner Besorgnis über den Stellenabbau Ausdruck gegeben.

 

150 im Kanton Bern?

 

Wieweit auch die Kantone Bern, Solothurn und Freiburg betroffen sein werden, darüber kann man nur spekulieren. Adrian Studer vom kantonalen Wirtschaftsamt Beco erklärte gegenüber TeleBärn, es seien im Kanton Bern mit 140 bis 150 UBS-Angestellten zu rechnen, die nun eine neue Stelle suchen müssten. In den Kantonen Bern und Solothurn beschäftigt die UBS gegen 1500 Leute.

 

Die vom Beco-Chef genannte Zahl dürfte zu hoch gegriffen sein, da der Stellenabbau nicht flächendeckend gleichmässig verteilt, sondern eben auf die Finanzmetropole konzentriert sein dürfte. Branchenexperten sind jedenfalls weniger pessimistisch.

 

Im Wesentlichen stellt sich die Frage, wieweit die UBS nicht nur bei den Stabsstellen und im Backoffice generell, sondern ebenfalls an der Front einsparen will. In der Branche unterscheidet man zwischen Mitarbeitern mit und solchen ohne Kundenkontakt. Oder im Fachjargon: «Client-facing» versus «Non-client-facing-Funktionen». Dabei war UBS-intern schon früher bekannt, dass der Anteil der Mitarbeiter ohne Kundenkontakt eher zu hoch ist.

 

«Ich kann mir nicht vorstellen, dass die UBS bei den Leuten spart, die das Geld hereinholen», bemerkte ein ehemaliger UBS-Banker. Ein anderer Banker meinte dagegen: Man könne nicht allein bei den «Stäblern» sparen, wolle doch die UBS übers Ganze gesehen kleiner werden. Doch UBS-Sprecher Andreas Kern erklärte auf Anfrage, dass die UBS gewillt sei, den Abbau an der Front «möglichst gering zu halten».

 

Viele sagten schon Adieu

 

Gerade in der Bundesstadt und Umgebung dürfte dieses Ansinnen relativ einfach zu bewerkstelligen sein, da bereits etliche UBS-Berater ihrer Bank den Rücken kehrten, um bei LGT, Julius Bär, Valiant Bank, Sarasin, der Berner Kantonalbank sowie der Banca Popolare di Sondrio (BPS) anzuheuern. Michael Hobmeier, CEO der Valiant Bank in Bern, bestätigt, in den zurückliegenden Monaten vermehrt Bewerbungen von UBS-Leuten erhalten zu haben.

 

Weniger Kredite

 

Schon eher gefährdet sind die Arbeitsplätze im blauen Haus an der Schwarztorstrasse in Bern, wo neben dem zentralisierten Zahlungsverkehr auch die Kreditadministration untergebracht ist. Mit dem anhaltenden Abfluss von Kundengeldern reduziert sich automatisch auch das Kreditportefeuille. Und wenn weniger Kredite abgewickelt werden, wird die Grossbank in der Verarbeitung Arbeitsplätze sparen.

 

Doch UBS-Sprecher Andreas Kern weist darauf hin, dass mit der vor einem Monat bekannt gegebenen Reorganisation der Standort Bern aufgewertet wurde – unter anderem zu Lasten von Basel. Aus acht Regionen werden deren vier gemacht, wobei die riesige Region Mittelland, Nord- und Zentralschweiz von Bern aus geführt wird. Daran dürfte sich nichts ändern.

 

Erschienen in der BZ am 16. April 2009

Claude Chatelain