Vierte Säule: Vom Unsinn, Steuern zu sparen

Neulich hat ein Leser angeregt, einen Artikel darüber zu schreiben, wie man Steuern sparen könne. Der Mann hat ins Schwarze getroffen. Das ist mein Lieblingsthema.

Ich nenne Ihnen vier Beispiele, wie sie insbesondere von Vorsorgeberatern etwa kolportiert werden:

 

  • 1. Sie sollten so viel wie erlaubt auf das steuerbegünstigte Konto 3a einzahlen: Sie sparen Steuern damit.
  • 2. Sie sollten die Hypothek aufstocken statt abzahlen. Sie sparen Steuern damit.
  • 3. Sie sollten sich das Pensionskassenkapital auszahlen lassen, statt die Rente zu beziehen. Sie sparen Steuern damit.
  • 4. Statt von der Pensionskasse eine Rente zu beziehen, sollten Sie mit dem Kapital eine private Rentenversicherung abschliessen. Sie sparen Steuern damit.

 

Vier Ratschläge, an deren Richtigkeit kein Zweifel besteht. Zweifel bestehen aber an der Bedeutung dieser Ratschläge. Es tönt zwar gut, wenn man sagen kann: Sie können Steuern sparen. Doch die Frage ist falsch gestellt: Massgebend ist nicht, wie viele Franken Steuern man sparen kann. Massgebend ist, wie viel unter dem Strich übrig bleibt. Am besten lässt sich das Gesagte am Beispiel der Hypothek darstellen.

Angenommen, ein Hausbesitzer erhöht seine Hypothek um 100000 Franken und zahlt dafür einen Zins von 3000 Franken pro Jahr. Diesen Zins kann er vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen. Er spart damit je nach Progression bis zu 1000 Franken Steuern pro Jahr. Tönt nicht schlecht. Aber was ist mit den 3000 Franken Zinsen, die wegen der höheren Hypothekarbelastung zu berappen sind? 3000 Franken höhere Ausgaben, um 1000 Franken Steuern zu sparen, ist wohl nicht das Geschäft des Jahres.

 

Ein gutes Geschäft ist es höchstens, wenn die aufgenommenen 100000 Franken einen Ertrag von mehr als 2000 Franken abwerfen. Mit dem Sparkonto oder mündelsicheren Obligationen wird das nicht gelingen. Man müsste also Aktien kaufen und damit die bekannten Risiken in Kauf nehmen.

 

Sagt der Berater : «Wollen Sie Steuern sparen?» So sagen Sie: «Nein, ich will nicht Steuern sparen. Ich will Geld sparen».

 

Erschienen in der BZ am 14. April 2009

Claude Chatelain