Die Sicherheit geht über alles

Wann immer Börsenturbulenzen für eine miese Stimmung sorgen, flüchten Anleger in risikolose Papiere. Zu diesen sind auch die Einmalprämienversicherungen zu zählen – und hier vor allem die klassische Variante.

Die altbackene, klassische Einmalprämienversicherung ist wieder stärker gefragt als auch schon. Das zeigt die Prämienentwicklung für das vierte Quartal 2008, wie sie vom Schweizerischen Versicherungsverband (SVV) erhoben wird.

 

So wurden 21,6 Prozent mehr klassische Einmalprämien verkauft als im entsprechenden Vorjahresquartal. Die fondsgebundenen Versicherungen gegen Einmalprämie sind dagegen um 30 Prozent eingebrochen. Dafür gibt es zwei Gründe: die Zinsen und die Sicherheit.

 

Bei der klassischen Einmalprämienversicherung zahlt man auf einen Schlag die gesamte Prämie – eben Einmalprämie – und erhält dann bei Vertragsende ein garantiertes Erlebensfallkapital ausbezahlt. Und je nachdem wie gut die Versicherungsgesellschaft das Geld anlegt, werden zusätzlich noch Überschussgutschriften ausbezahlt. Von untergeordneter Bedeutung ist die mitversicherte Todesfallsumme. Niemand zahlt eine Prämie von – zum Beispiel – 100000 Franken, um ein Todesfallkapital von 111000 Franken zu versichern. Der Todesfallschutz wird nur aus steuerlichen Gründen integriert. Denn die Auszahlung des Erlebensfallkapitals samt Zins und Zinseszins ist steuerfrei, sofern man sich das Kapital nicht vor dem Alter 60 auszahlen lässt. Somit sind Einmalprämienversicherungen reine Sparprodukte.

 

Das Risiko beim Kunden

 

Im Börsenboom der Neunzigerjahre waren dann die fondsgebundenen Einmalprämienversicherungen aufgekommen. Hier fliesst die Sparprämie nicht ins Wertschriftenportefeuille des Versicherers, sondern in einen bestimmten Anlagefonds. Der Versicherungsnehmer erhält dann den Gegenwert der Fondsanteile ausbezahlt. Somit liegt das Risiko beim Kunden.

 

Da aber der Kunde Garantien sehen will, haben die Versicherer auch bei den fondsgebundenen Produkten Garantien eingebaut, obschon das eigentlich wenig Sinn macht. Erstens sind die Garantien mit hohen Kosten verbunden; zweitens ist die Garantie höchst bescheiden. Sie liegt in den meisten Fällen unter dem Total der bezahlten Prämien. Mit einem gewöhnlichen Sparkonto fährt man besser.

 

Rendite: 1 Prozent

 

Bei einer Einmalprämie von 100000 Franken kann man auf zehn Jahre mit einem garantierten Erlebenskapital von 110000 Franken rechnen. Das entspricht einer Rendite von einem müden Prozent. Jedes Sparkonto bietet mehr, wobei beim Sparkonto im Unterschied zur Einmalprämienversicherung der Zins als Einkommen zu versteuern ist.

 

Da kann man nur hoffen, dass der Versicherer die Überschussversprechen einhält. Leider zeigt die Erfahrung, dass die Versicherer aus verkaufsfördernden Motiven eher zu hohe Überschüsse versprechen. Falls aber die Überschüsse voll ausbezahlt werden, dürfte eine Rendite von 2 Prozent drinliegen. Etwa so viel, wie die zehnjährige Bundesobligation abwirft, wobei hier die Zinserträge der Einkommensteuer unterliegen.

 

Somit wären wir beim zweiten Punkt: den Zinsen. Bei sinkenden Zinsen werden Einmalprämienversicherungen im Vergleich zu Obligationen interessant. Dies auch deshalb, weil die Anpassung ans neue Zinsumfeld bei den Einmalprämienversicherungen zeitlich verzögert eintritt.

 

Erschienen in der BZ am 7. April 2009

Claude Chatelain